Frisch verpaart in den Herbst

Bisher bin ich davon ausgegangen, dass sich Blässrallen gegen Ende des Winters verpaaren, um dann im Frühling und Sommer zusammen die kleinen Blässhuhn-Küken großzuziehen. Das dies nicht die einzige Möglichkeit im Lebenslauf einer Blässralle ist, erfuhr ich bei der genaueren Beobachtung von W28 am Kuhmühlenteich.

Das erste Mal begegnete ich W28 im Februar 2010 in einem Trupp von über Hundert anderen Blässrallen, die sich auf dem Eis des Kuhmühlenteichs an einer offenen Wasserstelle zusammengefunden hatten. Ob sie zu dieser Zeit einen Partner hatte oder nicht, kann ich wegen des Gewimmels auf dem Eis nicht sagen. Ende Mai sah ich sie dann fest verpaart mit O48, mit dem sie zusammen an einer stark geschützten Stelle an der Kaimauer, ein Nest gebaut hatte. Hier konnten ihre zukünftigen Küken kaum von Hunden oder Rabenkrähen gefährdet werden. Im Juni schienen dann die ersten Eier da zu sein. Die beiden Partner brüteten abwechselnd  und erneuerten ständig das Nest.

Anfang Juli waren dann zwei Küken ausgebrütet. Unglücklicherweise folgte bald auf den Schlupf der Küken eine große Hitzewelle. Es kam zu Ausbreitung von Botulismustoxin im Kuhmühlenteich und zu einem starken Einbruch der gesamten Population. Im Alter von nur zwei Wochen fielen  die beiden Küken von W28 und O48 fielen dem Botulismusgift zum Opfer. Die Partnerschaft von W28 und O48 blieb trotz dieses Verlustes stabil. Sie bauten erneut an ihrem Nest. Dabei hielt sich immer der Partner, der gerade nicht baute, an der gegenüberliegenden Seite des Kuhmühlenteichs auf. Er wartete, im Wasser auf einem kleinen Ast sitztend, bis es an ihm war, die Nestbautätigkeit  fortzusetzen. Bis in den August hinein bauten die beiden immer wieder am Nest.

Ende August war 048 plötzlich verschwunden. Ab und zu sah ich W28 ohne ihren Partner. Ich hielt das aber für Zufall und glaubte, dass sich O48 nur vorübergehend an einem anderen Platz aufhielt.

Anfang September machte ich dann die überraschende Entdeckung, dass sich W28 offenbar neu verpaart hatte. Ich sah sie mehrmals in Begleitung von P71, der während der Brutperiode nicht am Kuhmühlenteich gewesen war. Erst mit der Auflösung der Brutreviergrenzen war er mit vielen anderen Blässrallen hierher gekommen. Beim Gefüttertwerden verteidigten W28 und P71  den Platz um sich herum, indem sie wechselweise alle anderen Blässrallen als Futterkonkurrenten verjagten. Gegenseitig ließen sie sich aber in Ruhe und duldeten sich auf eine Distanz von 10 cm. In den letzten Wochen sah ich sie dann immer wieder Seite an Seite schwimmend im Kuhmühlenteich. Wie andere Paare auch, kämpfen sie füreinander aber nicht gegeneinander.

Bemerkenswert finde ich, dass hier eine Verpaarung außerhalb der Brutperiode stattgefunden hat. Erst das Beobachten weiterer beringter Blässrallen wird zeigen, ob sich Blässhuhnpaare das ganze Jahr über finden können, oder ob dies eine Ausnahme ist.



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Über blesshuhn

ehrenamtliche Mitarbeiterin für den Arbeitskreis an der Vogelschutzwarte Hamburg
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