Nachruf auf Blässhuhn W39

Heute nachmittag, den 24.06.2011 fand ich das kleine Blässhuhn W39 tot am Ufer im Haynspark liegend. Schon lange hatte ich mit ihrem Tod gerechnet. W39 war schwer krank. Sie hatte einen pflaumengroßen Tumor an der Bürzeldrüse, besetzt mit stoppeligen Federresten, die sie immer besonders gründlich zu putzen pflegte. In den letzten Wochen schien der Tumor immer noch weiter zu wachsen und zu eitern. Trotzdem hatte W39 stets einen sehr guten Appetit.

Aufmerksam wurde ich auf W39 im letzten Sommer. Damals lebte sie an der Außenalster Ost, Schwanenwik, in einem Trupp mit vielen anderen Blässrallen. Sie fiel mir auf, weil ihr Gefieder immer stark durchnässt war. Sie schüttelte sich stets und putzte sich sehr gründlich. Da die Bürzeldrüse aber nur noch eingeschränkt funktionierte, konnte sie sich nicht richtig einfetten. Dies wirkte sich natürlich schlecht auf ihre Wärmeregulation aus. Auch vermied sie es nach Möglichkeit zu schwimmen, weil sie dann zu sehr auskühlte. Im Herbst 2010 zog sie dann zum Eppendorfer Mühlenteich um. Der Trupp bei Schwanenwik hatte sich aufgelöst und W39 war es wohl zu einsam dort geworden.

W39 im Winter am Eppendorfer Mühlenteich

 

Den Winter 2010/2011 überstand W39 überraschender Weise sehr gut. Wahrscheinlich machte ihr die Kälte nicht so viel aus, solange es nicht regnete. Nur bei Regen sah sie durchweicht bis auf die Knochen aus. Die Federn hingen an ihrem schmächtigen Körper herunter. W39 achtete sehr auf ihre Sicherheit. Stets war sie wachsam und ging sowohl Hunden als auch aggressiven Artgenossen aus dem Weg. Auf ihre defensive Art behauptete sie aber dennoch ihren Platz am Eppendorfer Mühlenteich.

Im Frühling 2011 verschwanden nach und nach alle Blässrallen vom Eppendorfer Mühlenteich, bis auf zwei Revierpaare. Auch W39 suchte sich ein neues Quartier. Dieses war perfekt auf ihre Bedürfnisse abgestimmt. Sie zog nur wenige Meter weiter in den Haynspark um. Dort lebte sie in der Nähe eines großen Ufergebüsches mit Pflanzen deren große Blätter sie vor Regen schützten. In einer flachen Wassermulde konnte sie baden, ohne  total durchnässt zu werden. Bei Bedrohungen konnte sie sofort im Gebüsch verschwinden und war in Sicherheit.

W39 konnte stets besonders gut mit Menschen umgehen. Ähnlich wie kleine Blässrallenküken bei ihren Eltern an den Federn zerren, wenn sie hungrigt sind, zerrte W39 bei Menschen an der Kleidung oder auch an einer abgestellten Tasche. Dies war das Signal dafür dass sie ganz dringend etwas zu fressen haben wollte. Durch Zufall fand ich heraus, dass sie besonders gern kleingeschnittene Salatgurkenstückchen mochte. Ich besuchte sie fast täglich, um ihr Gurken zu bringen. Sie lief dann schon auf mehrere Meter Entfernung auf mich zu, in Erwartung dieser Leckereien. Einmal biss sie mich in den Arm, als ich ihr Futter nicht schnell genug auspackte. Ich erhielt einen blauen Fleck in länglicher Form, einen perfekten Schnabelabdruck von ihr.

Dieser blaue Fleck ist inzwischen verblasst. Die Erinnerung an W39, an ihr lebhaftes und zutrauliches Wesen, wird aber so schnell nicht verblassen.

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Über blesshuhn

ehrenamtliche Mitarbeiterin für den Arbeitskreis an der Vogelschutzwarte Hamburg
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