Blässhuhn-Tapferkeit: Blässrallen und Schwäne

Ist es Größenwahn, mangelndes räumliches Vorstellungsvermögen oder heldenhafter Mut? Dem menschlichen Beobachter erscheint es oft überraschend: Blässrallen lassen es sich nicht nehmen, auch erheblich größere Vögel anzugreifen, wenn diese in ihr Brutrevier geraten. Vor allem Graugänse lassen sich von drohenden Blässrallen sehr leicht einschüchtern. Manchmal zeigen selbst juvenile Blässrallen in Begleitung der adulten Vögel Drohgebärden gegenüber Graugänsen: So griff eines der Küken von W27 durch Schnabelhiebe und Fußtritte eine erwachsene Graugans am Kuhmühlenteich an. Die Graugans zeigte sich durch die Angriffe dieses kleinen Tieres allerdings wenig beeindruckt. Bei einer anderen Gelegenheit beobachtete ich sogar, dass eine adulte Blässralle einen ausgewachsenen Graureiher aus ihrem Revier vertrieb (siehe „Kämpfe mit Graugänsen und Graureihern„).

Tatsächlich schrecken Blässhühner auch vor Auseinandersetzungen mit Schwänen nicht zurück, wie dieses Foto von Simon Hinrichs (Beringer in Hamburg) zeigt.
Im Sommer 2010 ereignete sich an der Alster Folgendes: Eine Blässrallenfamilie mit Küken geriet beim Kampf um Futter mit einem Schwan in Konflikt. Der Schwan, der es auf das gleiche Futter abgesehen hatte, wie die Familie schnappte ein wenig nach den Küken. Das tat er allerdings ohne diese wirklich mit dem Schnabel zu ergreifen oder zu verletzen. Dennoch konnte sich eine der Eltern-Blässrallen das nicht bieten lassen: Sie reckte ihren Hals und nahm Blickkontakt mit dem Schwan auf. Das wirkte so, als ob sie ihm signalisieren wollte: „Bis hierher und nicht weiter!“ Als der Schwan sich weiterhin beim Gefüttertwerden vordrängelte, pickte dieses Blässhuhn ihm auf den Rücken. Anschließend richtete es sich im Wasser auf und trampelte drohend auf der Stelle im Wasser. Der Lärm und das Gespritze, das dabei entstand, bewog den Schwan schließlich dazu, sich zurückzuziehen. Dieses Sich-Aufrichten – Trampeln – Wasserspritzen zeigen Blässrallen häufig dann, wenn sie artfremde Vögel aus ihrem Revier vertreiben wollen. Bei Artgenossen verwenden sie andere Drohgebärden, wie: Sich-Ducken und Aufplustern, Verfolgungsschwimmen, Flügel-Aufstellen, Fußringkampf.

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Über blesshuhn

ehrenamtliche Mitarbeiterin für den Arbeitskreis an der Vogelschutzwarte Hamburg
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