Blässhuhn mit Zweitwohnung: Neue Beobachtungen aus dem Leben von W27

Das Blässhuhn W27 schlüpfte im Jahre 2009 am Langenzug. Sie wurde zum frühest möglichen Zeitpunkt, nämlich als bereits als vorjähriger Vogel im Jahre 2010 Mutter von fünf Küken. Zwei davon überlebten den Botulismuseinbruch im Sommer 2010. Im Jahre 2011 baute W27 mit Unberingt wieder ein Nest am Kuhmühlenteich. Es befand sich am gleichen Ufer wie das Nest aus 2010, lag aber einige Meter weiter entfernt.  Sie hatte zuerst neun Küken, wenig später dann eine Zeitlang sechs Küken. Eines dieser Küken war sehr schwach und starb nach einigen Wochen. Ich fand es tot im Wasser treibend. Die restlichen fünf Küken aber wuchsen zu kräftigen Juvenilen heran. Dann schritt W27 zu einer Zweitbrut und legte noch einmal zwei Eier. Zuerst schlüpfte ein Küken, während sie das zweite Ei noch zwei weitere Wochen erfolglos bebrütete. Irgendwann war dann dieses zweite Ei verschwunden.

Zwei Eltern – Zwei Rollen: Interessant ist, wie sich die Rollen der Adulten bei der Versorgung des Nachwuchses verteilen: Vier der großen Juvenilen aus der ersten Brut sind bereits ganz selbstständig. Sie befinden sich nicht mehr im Brutrevier. Das fünfte Juvenile hält sich weiterhin im Brutrevier bei dem unberingten Männchen von W27 auf. Es wird zwar, wenn es bettelt, von beiden Eltern versorgt, aber es kann natürlich schon selbst für sich sorgen. Dennoch sieht man es nie alleine, sondern immer an der Seite des unberingten Männchens. W27 kümmert sich vorrangig um das Küken aus der Zweitbrut. Es ist noch recht klein, hält sich immer in der Nähe von W27 auf und wird von ihr ständig mit Futter versorgt. 

Zwei Eltern – Zwei Nester: Überraschend gelöst ist die „Wohnsituation“ der übrig gebliebenen Familie: W27 und das Küken ruhen und schlafen auf dem ursprünglichen Nest, auf dem auch die Küken aus der ersten Brut aufgewachsen sind. Das unberingte Männchen und das große Juvenile bewohnen ein zweites Heim. Wenige Meter vom Nest entfernt, befindet sich die verlassene Nestplattform des Paares NU7 + Unberingt. Diese beiden gaben ihr Nest auf, als einer der Partner im Frühling aus unbekannten Gründen verstarb. Dorthin ziehen sich jetzt das unberingte Männchen und das große Juvenile zurück, das als Einziges die Familie noch nicht verlassen hat. Auch W27 scheint diese Nestplattform als Zweitwohnung zu betrachten.

Zweitwohnung als Ausweichquartier: Vor drei Tagen sah ich, dass W27 am Fuß einen großen Angel-Blinker mit vier scharfen Haken hängen hatte. Da ich sie nicht ans Ufer locken konnte, stieg ich in den Kuhmühlenteich und versuchte, sie vom Nest zu holen. Sie ruhte dort mit ihrem kleinen Zweitbrutküken. W27 ließ sich aber nicht von mir ergreifen. Unter schrillen Warnrufen und stark behindert durch den Blinker schwamm sie mit dem Küken fort. Sie suchte Zuflucht auf der Nestplattform wenige Meter weiter, die jetzt von ihrem Männchen bewohnt wird. Dort verfing sie sich mit dem Blinker in ein paar Zweigen. Als ich wieder in den Teich stieg, um sie zu befreien, riss sie sich los und flüchtete erneut. Glücklicherweise ist sie dann den Blinker nach drei Tagen selbst losgeworden. Er war eine ständige Gefahr für sie und auch für das Küken, das ja noch von ihr gehudert wird.

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Über blesshuhn

ehrenamtliche Mitarbeiterin für den Arbeitskreis an der Vogelschutzwarte Hamburg
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2 Antworten zu Blässhuhn mit Zweitwohnung: Neue Beobachtungen aus dem Leben von W27

  1. Jule schreibt:

    was bitte ist „Botulismuseinbruch“?

    • blesshuhn schreibt:

      Botulismus ist eine Vergiftung, die bei Wasservögeln zu Lähmungen und zum Tode führt. Wenn das Wetter anhaltend sehr warm ist, sinkt der Sauerstoffgehalt in den Gewässern. Das führt dazu, dass sich Bakterien verbreiten, die keinen Sauerstoff für ihren Stoffwechsel brauchen, sogenannte Anaerobier. Botulismusbakterien sind solche anaeroben Bakterien. Sie sondern ein Gift ab, das Botulinumtoxin. Das kann im schlimmsten Fall zu einem Massensterben bei Wasservögeln führen. Die Kadaver der betroffenen Vögel müssen unbedingt entfernt werden. Werden sie nämlich von Maden aufgefressen, reichert sich das Gift in hohen Konzentrationen in den Maden an. Denen schadet das zwar nicht, aber wenn sie ihrerseits von anderen Vögeln gefressen werden, sterben die Vögel, die diese Maden gefressen haben.
      Es gibt verschiedene Formen von Botulismus, von denen einige auch für Menschen gefährlich sind. Botulismus in den Gewässern ist allerdings eine Form, die für Menschen ungefährlich ist.

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