Illegale Freiheitsberaubung von V40: Ein Blässhuhn klagt an!

Folgende Aussage machte das Blässhuhn mit der Ringnummer V40 gegenüber seinem Anwalt beim Blässrallenschutzverband:

 Am Sonntag den 16. Oktober hielt mich bei strahlendem Sonnenschein in der Alster bei Schwanenwik auf. Es ging mir gar nicht gut. Ich konnte meine Beine nicht mehr bewegen und mein linkes Auge war blind geworden. Da ich so schwach war, hackten andere Blässrallen-Kumpel auf mir rum und rissen an meinem Gefieder. Kurz gesagt, es war ein echter Scheiß-Tag. Als wäre das nicht übel genug, geschah etwas noch viel Schlimmeres. Plötzlich riss mich ein übermächtiger Feind aus dem Wasser und trug mich durch die Luft. Dann wurde ich in eine dunkle Mütze gesteckt und weggetragen. Ich wehrte mich so gut ich konnte, aber weil ich so schwach war, konnte ich weder die Füße noch die Flügel bewegen.

Der Feind verschleppte mich weit weg von allen Gewässern und trennte mich gewaltsam von meinen Nachbarn, Kollegen und Freunden. Ich hörte nur eine Tür auf- und wieder zuklappen. Dann fand ich mich plötzlich nur noch von etwas Kaltem, Weißem umgeben. Der Feind nannte das Badewanne. Ich ließ mich sofort auf den Bauch fallen. Meine Füße wollten mich nicht tragen. Der Feind legte mir Gras und Salat vor den Schnabel. Mit meinem sehenden Auge blickte ich ihn nur finster an. In Gefangenschaft fresse ich nichts!

Später wurde ich gegen meinen Willen in eine Kiste mit Sand gesteckt. Dort verbrachte ich erschöpft die erste Nacht. Am nächsten Tag ging es wieder in die Badewanne. Der Feind hatte etwas Wasser eingelassen. Ich ruhte auf dem Wasser und ließ meine kaputten Beine schlaff herunterhängen. Abends wurde ich wieder in die Kiste gebracht. Der Feind servierte mir Getreide und Obst. Ich mochte nichts essen. Sobald der Feind in meine Nähe kam, hackte ich mit dem Schnabel nach ihm. Ich griff auch das Essen an, spuckte es aus und wehrte mich gegen alles. So leicht wollte ich es dem Feind nicht machen!

Am nächsten Tag ging es mir schon etwas besser. Ich putzte mich gründlich und versuchte mich etwas aufzurichten. In der Badewanne konnte ich meine Beine ganz gut bewegen. Als der Feind mich wieder in die Kiste stecken wollte, schlug ich kräftig mit den Flügeln und trat um mich. So gelang es mir, mich zu befreien. Ich sprang flügelschlagend aus der Kiste und landete auf dem glatten, weißen Boden. Dann flüchtete ich humpelnd vor großen gierigen Griffeln des Feindes. Ich schlüpfte in eine dunkle Ecke, wo ich eine weiche Unterlage fand. Hier fühlte ich mich sicher und es ging mir gut. Die Nacht über schwamm ich in der Badewanne.

Warum der Feind mich schließlich doch frei ließ, weiß ich nicht. Vielleicht war das geforderte Lösegeld bezahlt worden, oder der Feind hatte einfach genug von mir. Jedenfalls konnte ich schon am nächsten Tag meine ersten unsicheren Schritte am Kuhmühlenteich machen.

Dann schwamm ich in den Sonnenaufgang hinaus in die Freiheit. Mit der Freiheit kam auch mein Appetit wieder. Ich bin ein Wildtier und das bedeute: born to be wild!

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Über blesshuhn

ehrenamtliche Mitarbeiterin für den Arbeitskreis an der Vogelschutzwarte Hamburg
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4 Antworten zu Illegale Freiheitsberaubung von V40: Ein Blässhuhn klagt an!

  1. inke Rabe schreibt:

    Eine wirklich nette Geschichte!
    Im Übrigen hat sich mein Verhältnis zu den Blesshühnern durch die Geschichten von Martina völlig entspannt und ich betrachte Blesshühner seitdem mit ganz anderen Augen. Weiter so!!!!
    Inke Rabe

    PS. ein ähnlich gelagerter Fall mit einem gelähmten Teichhuhn ging leider nicht so glücklich aus.

  2. Edelgard Heim schreibt:

    wunderbar geschrieben, musste sehr lachen. Und dann noch mit HappyEnd. vielen Dank

  3. blesshuhn schreibt:

    Dass Blässhühner Lähmungen haben, tritt sehr häufig auf. Wir wissen nicht genau, wie diese zu Stande kommen. Vermutlich handelt es sich um eine Infektion. Man müsste eine genaue Erregeranalyse im Labor machen lassen. Ich wollte dem Blässhuhn aber keinen Arztbesuch und eine Untersuchung zumuten. Das wäre auch wieder neuer Stress gewesen.

  4. Jule schreibt:

    das ist ja eine süße Geschichte. Was hat es denn nun gehabt, das arme Bläßhuhn, dass es wieder als geheilt entlassen werden konnte?

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