Verschollenes Blässhuhn wieder da! T91 – lange nicht gesehen und doch wiedererkannt

Eigentlich bin ich gegenüber der Beringung von Vögel recht zwiespältig. Man kann sehr interessante Erkenntnisse gewinnen – das ist die Seite des Menschen. Man hasst es, eingefangen zu werden und bekommt ein Geschenk, um das man nicht gebeten hat, nämlich den Ring – das ist die Seite des Vogels. Letzte Woche war ich aber überglücklich darüber, dass es beringte Blässhühner in Hamburg gibt. Ich hatte die Gelegenheit einen alten Freund wiederzutreffen, den ich schon für tot gehalten habe. Es war das Blässhuhn mit der Ringnummer T91.
T91 wurde im Jahr 2007 am Eppendorfer Mühlenteich beringt. Zur Zeit ist er mindestens 6 Jahre alt, er kann aber auch älter sein. Einer seiner beliebtesten Aufenthaltsorte im Jahre 2010 war der Kuhmühlenteich. Anfang 2011 hielt er sich einige Monate am Goldbekkanal auf. Schon im Februar 2011 zeigt er eine angeschlagene Gesundheit. T91 humpelte links. Eine Woche später erschrak ich sehr, als ich T91 sah. Er wendete mir zunächst immer nur die rechte Seite seines Kopfes zu. Dann bemerkte ich, dass das linke Auge gar nicht mehr vorhanden zu sein schien. Ich sah nur eine weiß verschmierte Delle auf der linken Seite. Zu dieser Zeit waren fast alle Gewässer in Hamburg vereist. Es herrschte eine große Futterknappheit. Möwen und Blässhühner wirbelten wild durcheinander und prügelten sich um Futter. So dachte ich, dass eine Möwe im Eifer des Gefechtes T91 das linke Auge ausgeschlagen hätte. Ich besuchte ihn wöchentlich am Goldbekkanal. Er konnte nur mit dem rechten Auge sehen. Die weiß verschmierte Stelle links blieb bestehen. Ich fürchtete um sein Leben, denn eine Infektion an der Augenhöhle ist für kein Lebewesen eine Kleinigkeit. Nach einigen Wochen hatte ich den Eindruck, dass unter dem weißen Schleier doch noch ein Teil des Auges zu sehen war. Es war aber eingesunken und rutschte nach hinten weg. Am 11. März 2011 sah ich T91 zum letzten Mal. Auch von anderen Beobachtern wurde er zunächst nicht wieder abgelesen.
Am 09. November 2011 erlebte ich dann die große freudige Überraschung am Kuhmühlenteich: Wer kam da so zutraulich durchs Herbstlaub das Ufer hochgeraschelt? Es war mein alter zutraulicher Freund T91. Er humpelte nicht mehr und beide Augen waren gut erkennbar. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass er mir immer noch bevorzugt das rechte Auge zuwandte. Vielleicht hat er von der schweren Entzündung im Winter noch eine Sehschwäche zurückbehalten. Der linke Augapfel selbst wirkt allerdings unversehrt. Inzwischen ist T91 wieder fort. Wo er sich jetzt aufhält, weiß ich nicht. Aber zumindest hat er alles gut überstanden! Und hier zeigt sich der entscheidende Vorteil der Beringung. Hätte T91 keinen Ring, so hätte ich ihn wohl trotz einwandfrei funktionierender menschlicher Augen nicht wiedererkannt. So aber weiß ich zumindest, dass es ihm gut geht. Und das ist eine große Freude!

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Über blesshuhn

ehrenamtliche Mitarbeiterin für den Arbeitskreis an der Vogelschutzwarte Hamburg
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