Tagebuch

Aktuelle Beobachtungen bei Ringablesungen aus dem Hamburger Raum

06. März 2013: Kopfkraulen bei Teichhühnern

Heute beobachtete ich das Kopfkraulen von zwei Teichhühnern am Kuhmühlenteich. Weibchen und Männchen saßen auf einem großen Weidenast unmittelbar über der Wasseroberfläche. Das Weibchen gab kurze stimmlose Laute von sich. Es rollte den Kopf ein und ließ sich vom Männchen kraulen. Das Kopfeinrollen sah ganz ähnlich aus, wie bei Blässhühnern. Später erfolgte ein Rollenwechsel.

26. Februar 2013: Kopfkraulen bei Blässhühnern – die harte Tour

Heute beobachtete ich ein unberingtes Blässrallenpaar an der kleinen Alster bei wechselseitigen Kopfkraulen. Sie wechselten sich ab und kraulten sich ziemlich ausgiebig. Ab und zu pickte ein Blässhuhn dabei nach dem Hals des Partners. Das wirkte durchaus aggressiv und könnte sogar etwas schmerzhaft gewesen sein. Das Halspicken ging von dem Partner aus, der gerade gekrault wurde. Das verwunderte mich, denn eigentlich hatte ja gerade dieser Partner nichts zu „beklagen“, da ihm so viel Zuwendung gegeben wurde.

23. Februar 2013: Kurzes Kopfkraulen bei Blässhühnern

Heute am Eppendorfer Mühlenteich: zwei Blässrallen schwimmen aufeinander zu. Eine Blässralle hackt die andere in den Hals und geht selbst darauf in die Aufforderungshaltung mit Kopfeinrollen. Die andere Blässralle krault die Halspickerin flüchtig. Dann schwimmen beide auseinander. Sie sind nicht als Paar erkenntlich.

15. Februar 2013: Angelschnurverletzungen bei Teichhühnern

Bei Teichhühnern sind abgeschnürte Füße durch Angelschnüre besonders tragisch. Trotz ihrer Beeinträchtigung beim Laufen können Teichhühner sich meistens sehr flink in Sicherheit bringen. Sie flattern los oder sie hüpfen ins Wasser und schwimmen davon. Bis jetzt ist es mir noch nie gelungen, ein Teichhuhn mit einer Angelschnurverletzung einzufangen. Vor einer Woche fotografierte ich im Eichenpark ein vorjähriges Teichhuhn, dessen rechter Fuß durch eine Angelschnur abgeschnürt und stark geschwollen war. Es ließ sich nicht einfangen. Heute sah ich es wieder. Es war stark abgemagert, kam aber an Land gehüpft, um ausgestreute Haferflocken zu fressen. Dabei versuchte ich es, in ein Gebüsch zu treiben. Ich hoffte, es so ergreifen zu können. Leider entkam das Teichhuhn. Vermutlich wird es an den Folgen der Verletzung sterben.

02. Februar 2013: vermehrte Aggressionen unter Blässhühnern

Heute traten die Blässhühner am Kuhmühlenteich besonders aggressiv auf. Sie kämpften an Land, indem sie sich mehrfach anprangen und mit den Füßen angriffen. Manchmal packte ein Blässhuhn ein anderes am Halsgefieder und versuchte es zu Boden zu drücken. Lief das gepackte Blässhuhn dann Richtung Wasser, ließ sich das Blässhuhn, das sein Halsgefieder gepackt hielt, regelrecht mitschleifen. Auch dann, wenn es dabei umkippte und über den Boden gezogen wurde, ließ es nicht das gepackte Blässhuhn los. Deutlich war auch, dass größere und stärkere Blässhühner auf schwächere losgingen. Dabei wurden zwischen Weibchen und Männchen keine Unterschiede gemacht. Die in der Regel schwächeren Weibchen wurden auch angegriffen.

22. November 2012: Konsumgesellschaft:Blässhühner im Futterkonflikt

Um Ringablesungen zu machen, muss ich immer wieder Blässhühner an der Alster durch Haferflocken in Ufernähe locken. Natürlich geht ihre normale Ernährung vor und ich füttere sie nur sehr zurückhaltend. Interessant ist, was passiert, wenn Blässhühner Futter von zwei Seiten bekommen. Gestern beobachete ich an der Außenalster zwei Paare, die am Tauchen nach Muscheln waren. Das erste Paar reagierte auf mein Haferflockenangebot folgendermaßen: ein Partner hörte sofort auf mit dem Tauchen und kam zu mir Richtung Ufer geschwommen. Der andere Partner tauchte, ergatterte ein Muschelbündel und schwamm mitsamt dem Muschelbündel zum Ufer, wo ich Haferflocken ausstreute. Er ließ angesichts der Haferflocken die Muscheln fallen und pickte Haferflocken auf. Um die Muscheln kümmerte er sich nicht mehr.
Das andere Paar zeigte folgendes Verhalten: Jeder der Partner hatte bereits ein Bündel Dreikantmuscheln im Schnabel, als sie mich mit den Haferflocken sahen. Beide kamen sofort Richtung Ufer geschwommen, nahmen dabei aber ihre Muscheln mit. Bevor sie Haferflocken aufpickten, verzehrten sie zuerst einen Teil der mitgebrachten Muscheln. Den Rest ließen sie absinken und wandten sich dann den Haferflocken zu. Es scheint so, als ob Blässhühner immer dankbar für eine Abwechslung in ihrem Speiseplan sind, auch wenn sie ihr natürliches Futter durchaus zu schätzen wissen.

15. November 2012: Rufansteckung bei Blässhühnern

Immer wieder habe ich bemerkt, dass Blässhühner im Trupp anfangen zu rufen, wenn ein anderer Kollege gerade laut ruft, auch wenn dieser weit entfernt oder sogar außer Sichtweite ist. Mich interessiert hierbei, ob die Blässhühner, die sich solchermaßen durch Rufe „anstecken“ lassen, in einer bestimmten Beziehung (Paar/ Familie) zu dem zuerst Rufenden stehen. Am 15. November fand in einem Trupp von 25 Blässhühnern bei Schwanenwik ein Kampf zwischen zwei unberingten Blässrallen statt. Die beiden Kontrahenten riefen dabei laut und schrill. Plötzlich begann das Weibchen von N73 wie ein Echo laut und anhaltend mitzurufen, obwohl weder sie noch ihr Gatte in irgendeiner Weise an diesem Kampf beteiligt waren. Das Weibchen von N73 befand sich mehrere Meter entfernt von den Kämpfenden. Es schien so, als ob sie allein durch das schrille Rufen der beiden Kontrahenten aufgeregt und zum Rufen veranlasst wurde.

10. November 2012: Hüpfendes Blässhuhn im Eichenpark

Am Sonntagmorgen ging ich in den Eichenpark. Dort lebt zur Zeit eine flügellahme juvenile Graugans. Ich wollte nach ihr schauen, wie es ihr geht. Sie kann nur zu Fuß vor Hunden fliehen und ist im Park nicht sicher. Aus diesem Grund soll sie am nächsten Wochenende in eine Wildtierpflegestation übersiedelt werden.
Wie immer traf ich am Ufer auch einen kleinen Trupp Blässrallen an. Ich ging in die Hocke, um sie mir näher anzuschauen. Viele Blässhühner verließen das Wasser und kamen ans Ufer gelaufen. Sie werden hier oft von Spaziergängern gefüttert und erwarteten offensichtlich etwas Gutes. Am meisten überraschte mich aber eine kleine diesjährige Blässralle. Flügelschlagend kam sie aus dem Wasser ans Ufer gestürmt. Dann baute sie sich direkt vor mir auf und streckte sich. Sie begann vor mir auf der Stelle zu hüpfen und dabei mit den Flügeln zu schlagen. Ich glaube, die kleine Ralle sprang etwa neunmal eine Handbreit in die Luft und flatterte dabei. Machte sie etwa Freudensprünge? War sie aufgeregt, weil sie Futter erwartete? Der ganze Bewegungsablauf wirkte nicht so, als ob sie losfliegen wollte. Sie lief nicht los, um Anlauf zum Fliegen zu nehmen. Es sah für den menschlichen Betrachter eher nach einem Überschuss an Energie und Bewegungsfreude aus.

10. November 2012: N11 und Unberingt und ihr ungeratener Nachwuchs

Da ich in der Brutzeit für zwei Monate in Sibirien am Baikalsee war, habe ich nicht genau mitbekommen, welche Blässhühner gebrütet haben und welche nicht. N11 ist wie im Vorjahr mit seinem unberingten Weibchen zusammen. Dieses hat einen sehr langen und schlanken Hals, so dass ich sie wieder erkennen kann, obwohl sie nicht beringt ist. Immer wieder beobachtete ich in den letzten Wochen, dass sich bei N11 und Unberingt in der Nähe ein flügges Diesjähriges befindet. Es sucht Kontakt zu den beiden Adulten, möglicherweise ist ein ehemaliges Küken aus diesem Jahr. Heute sah ich, wie zuerst das schlanke Weibchen versuchte die Jungralle zu vertreiben. Zu meinem Erstaunen wehrte sich das junge Blässhuhn dagegen, wandte sich dem Weibchen zu und versuchte es seinerseits zu verfolgen. Da griff aber das Männchen N11 entschlossen ein. Mit vorgestrecktem Kopf und breiten Körper verfolgte es zügig schwimmend das ausgewachsene Junge. Dieses ergriff dann auch schleunigst die Flucht.
Eine ähnliche Beobachtung machte ich vor einigen Wochen im Eichenpark. Hier war es eine junge Teichralle, die Streit mit einem adulten Teichhuhn anfing. Es handelt sich hier um ein und dasselbe Revier, also nicht um verschiedene Rallen aus zwei Nachbarrevieren. Auch hier ist es möglich (wenn auch nicht bewiesen), dass eines der Nachkommen in eine Auseinandersetzung mit einem Elternteil geriet.

23. Oktober 2012: Männchen/ Weibchen: Rollenverteilung bei Revierkämpfen

Wenn zwei Revierpaare aneinander geraten und miteinander kämpfen, gibt es fast immer zwei Hauptkämpfer, die sich im Fußringkampf miteinander verkrallen und zwei Nebenkämpfer, die vor allem schrill rufen. Die Frage, die sich hier stellt, ist: gibt es hier eine feste Rollenverteilung von Männchen und Weibchen? Am 23. Oktober machte ich am Kuhmühlenteich folgende Beobachtung bei einem Revierkampf zwischen N20 (Männchen) mit unberingtem Weibchen und Unberingt (Männchen) und Unberingt (Weibchen) aus dem Nachbarrevier. Die Männchen nahmen als erste die Drohhaltung ein, die Weibchen etwas später. Auch stellten die Männchen die Flügel steiler auf als die Weibchen. Schließlich verkeilten sich die beiden Männchen mit den Füßen und rangen miteinander, während beide Weibchen schrill rufend mit gesträubtem Gefieder in der Nähe schwammen. Das Weibchen von N20 verfolgte schließlich schwimmend das Weibchen des unberingten Paares. Dieses rettete sich durch Wegtauchen. In diesem Fall lag der Hauptteil des Kampfes bei den Männchen. Es wäre aber spannend zu beobachten, ob das bei allen Paaren der Fall ist, oder ob es auch dominante Weibchen gibt.

26. August 2012: Zweitbrut von W87 und Unberingt

W87 und Unberingt haben ein sehr gut einsehbares Nest in der Nähe der Fährhausbrücke am Haynspark. Bereits im Vorjahr zogen sie hier ein Junges groß und setzten dann zu einer Zweitbrut an. Auch in diesem Jahr überlebte vom ersten Gelege ein Junges. Danach brüteten sie ein zweites Mal. Vier Pulli konnte ich in ihrem Revier in der vorletzten Woche finden. In der Folgewoche war die ganze Familie verschwunden. Heute sah ich sie wieder. Es lebten noch zwei Pulli, die beide dicht aneinandergekuschelt im Nest saßen und lauthals piepten. Die Eltern tauchten nach Muscheln und Schnecken und brachten diese zu den Pulli aufs Nest. Manchmal über gab das Weibchen Futter an das Männchen und dieses brachte das Futter zum Nest.
Zwischenzeitlich suchten beide Elternteile auch Äste und legten sie auf den Nestrand, um diesen auszubessern und zu stabilisieren. Schließlich schritt „Papa“ W87 mit seinen großen Füßen auf das Nest und in die Mulde, in der die Küken saßen, um dort die Nestbauarbeiten ganz zu übernehmen.
Die Küken machten nacheinander Platz und wichen ins Wasser aus. Dort schwammen sie hinter dem unberingten Weibchen her und wurden von diesem weiter mit kleinen Muscheln und Schnecken versorgt. Eine der Schnecken war zu groß für eines der Pulli. Es versuchte sie zu schlucken, aber das Gehäuse ragte zur Hälfte aus dem Schnabel. Ganz die besorgte Mutter folgte Unberingt schwimmend ihrem Küken. Dieses kletterte auf einen Balken und versuchte erneut, die Schnecke zu schlucken. Währenddessen ließ „Mama“ ihr Küken nicht aus den Augen. Schließlich verlor das Küken die Schnecke, die ins Wasser fiel. Das Küken und seine Mutter schauten der Schnecke nach, machten aber keinen Versuch, sie wieder heraufzuholen.
Währenddessen widmete sich „Papa“ W87 ganz und gar der Ausgestaltung des Nestes. Er holte immer wieder Blätter, die auf der Wasseroberfläche schwammen heran, und legte damit sorgfältig die Sitzmulde aus. Außerdem platzierte er einige kleinere Äste am Rand der Mulde, einige größere Äste weiter außen am Nestrand. Dabei machte er immer wieder Festtretebewegungen mit seinen Füßen, um das Nistmaterial zusammenzudrücken. Als alles zu seiner Zufriedenheit ausgestaltet war, gesellte er sich wieder zu seiner Familie. Daraufhin boten wieder beide Eltern ihren Küken Muscheln und Schnecken an, die sie durch Tauchen heraufgeholt hatten. Unfälle mit zu großen Brocken gab es diesmal nicht. Die Eltern boten beiden Küken Futter an. War ein Happen zu groß verweigerte erst das eine dann das andere Pullus die Annahme. Darauf schluckte dann das betreffende Elternteil den Leckerbissen selbst. Überhaupt wechselten die Eltern zwischen Selberfressen der Muscheln und Anbieten des Futters an die Kleinen. Auf diese Weise konnte die gesamte Familie satt werden.

24. August 2012: Brutpaar W35 und W27 in getrennten Trupps

Eine erneute Bestätigung für die Beobachtung, dass sich Paare nach einer erfolgreichen Brut manchmal trennen, machte ich in der vergangenen Woche. W35 und W27 hatten mit ihrer Zweitbrut ihr Nest im Eilbekkanal verlassen. Sie kamen mit einem kleinen Pullus zum Kuhmühlenteich und hielten sich hier in der Nähe des Reviers von SA0 und SA1 auf. Kurz darauf waren sie verschwunden. W35 traf ich bald darauf wieder und zwar an der Kennedybrücke in einem Trupp. Weder W27 noch das Pullus waren zu sehen. Heute sah ich dann W27 wieder. Sie mausert in einem Trupp im Eichenpark. W35 ist nicht dabei. Das Küken scheinen sie verloren zu haben.

12. August 2012: Eheliche Probleme bei Blässrallen

Gestern machte ich an der Kennedybrücke folgende Beobachtung: W55 und Unberingt standen auf einem Anleger beim Alster-Jollen-Club, ihr derzeit einziges Küken schwamm vor dem Anleger herum und fiepte ab und zu. W55 wandte sich zu seinem unberingten Weibchen mit eingerolltem Kopf. Er wollte es damit auffordern, ihn zu kraulen. Das Weibchen reagierte nicht auf diese Bitte. W55 ging daraufhin näher auf Unberingt zu und rollte den Kopf erneut ein. Wieder reagierte das Weibchen nicht. Da rückte W55 noch ein Stück näher, tippte Unberingt ganz vorsichtig mit dem Fuß auf den Rücken und rollte wieder den Kopf ein. Eine solche Art der Aufforderung zum Kraulen hatte ich vorher noch nie gesehen! Unberingt, diese Gattin mit dem steinernen Herzen, blieb aber wieder ungerührt und putzte sich ausgiebig. Daraufhin schien W55 zu resignieren, rückte einige Zentimeter von Unberingt ab und legte sich dann auf den Steg, um zu ruhen.

NT7 und ihr unberingtes Männchen am Goldbekkanal hatten heute ebenfalls eheliche Kommunikationsprobleme. NT7 saß in ihrem ehemaligen Brutrevier auf dem Ast einer Uferweide. Da kam Unberingt schnell angeschwommen, jagte NT7 ins Wasser und verfolgte sie dort. NT7 tauchte mehrmals ab, um sich vor Unberingt in Sicherheit zu bringen. Während der Verfolgungsjagd stieß sie aufgeregte, schrille Rufe aus. Schließlich ließ das Männchen von ihr ab, schwamm zu dem Weidenzweig, auf dem vorher NT7 geruht hatte und nahm dort Platz. Kurz darauf schwamm NT7 ebenfalls zu diesem Zweig, kletterte darauf und stellte sich neben ihr Männchen. Wie die beiden da so friedlich nebeneinander auf dem Ast saßen, gaben sie ganz das Bild einer äußerst entspannten und harmonischen Partnerschaft ab!

11. August 2012: Flügge Blässhühner erproben ihre Flügel

Zuerst hielt ich es für einen Zufall. Im Mausertrupp an der Außenalster, Ost, Schwanenwik halten sich nicht nur adulte Blässhühner auf, die in der Mauser sind. Auch viele junge gerade flügge gewordene Blässhühner sind mit von der Partie. Möglicherweise schließen sich manchmal ganze Familien mit großen Juvenilen einem solchen Trupp an. Als ich vor einer Woche dort zum Ringeablesen war, sah ich immer wieder große Juvenile ein bis zwei Meter weit auf dem Rasen herumrennen und dabei mit den Flügeln schlagen. Sie schienen dabei kein Ziel zu haben, außer sich rasch zu bewegen und die Flügel zu schwingen. Weder suchten sie nach Futter, noch gerieten sie in Kämpfe mit anderen Blässhühnern. Heute morgen sah ich dann ein weiteres junges Blässhuhn, das am Ufer stand und seine Flügel ausbreitete. Immer wieder stieß es sich mit beiden Füßen vom Erdboden ab. Drei oder vier Mal hüpfte es ca. 10 cm in die Höhe und flatterte dabei wild mit den Flügeln. Dies erinnerte mich sehr stark an das „flügelschlagende Hüpfen“ junger Gänse, wenn sie die ersten Flugversuche machen. Es scheint sich auch bei den jungen Blässhühnern wohl tatsächlich um erste Flugübungen zu handeln bzw. um erste Versuche, sich mit der Funktion ihrer Flügel vertraut zu machen. Hoffentlich gelingt mir in der nächsten Zeit noch für meine Leser ein Foto davon zu machen.

09. August 2012: W55 und Unberingt – W35 und W27- Füttervarianten

Solange die Küken noch nicht ganz ausgewachsen sind, werden sie von beiden Eltern immer wieder gefüttert. Was macht man aber, wenn ein Küken schon satt ist? W55 an der Außenalster, Süd, Kennedybrücke, sammelte Futter für sein einziges Küken. Das Küken war noch recht klein, etwa drei Wochen alt. Vielleicht war es durch vorausgegangenes Füttern schon pappsatt. Als W55 sich seinem Küken näherte und ihm Nahrung anbot, zeigte sich das Küken nicht interessiert. Auch die Unberingte Mutter bot dem Küken vergeblich Nahrung an. W55 schluckte einen winzigen Teil des Futters selbst und schwamm wieder zu seinem Küken, um diesem den Rest des Futters anzubieten. Wieder wollte das Küken das Futter nicht aus dem Schnabel abnehmen. Trotzdem schien W55 immer noch einem Konflikt zwischen „füttern“ und „selbst fressen“ befangen zu sein. Er schluckte einen weiteren Teil des Futters, behielt den Rest aber im Schnabel. Diesen Rest bot er dem Küken wieder an. Erst als das Küken zum dritten Mal das angebotene Futter zurückwies, schluckte W55 auch das restliche Futter selbst.

Eine ganz andere interessante Situation fand ich am Kuhmühlenteich vor. Hier hielten sich W27 und W35 mit einem kleinen Küken aus ihrer zweiten Brut auf. Das Küken kletterte in den Zweigen einer Weide herum. W27 und W35 tauchten dicht beieinander nach Futter. Sobald W27 etwas Futter im Schnabel hatte, machte sie zarte leise Lockrufe. Sie schwamm dann aber nicht zu ihrem Küken, sondern bot das Futter ihrem Gatten an. Dieser nahm es, brachte es ebenfalls nicht zu dem Küken, sondern schluckte es selbst. Das wiederholte sich drei Mal. Schließlich kam das Küken zu seinen Eltern angeschwommen und hielt sich in deren Blickfeld auf. Von diesem Moment an fütterten W27 und W35 wieder gemeinschaftlich das Küken. Ein Füttern des Partners hatte ich bei W27 in der letzten Brutperiode 2011 schon einmal beobachtet. Sie fütterte ihren unberingten Partner, kurz nachdem ein Küken aus einer Zweitbrut verstorben war. Ein Füttern des Partners, während ein kleines Küken noch lebt, hatte ich bis jetzt noch nie gesehen.

07. August 2012: P71 und Unberingt – Entenschubsen – Spaß für junge Blässhühner

Meine menschliche Freundin Natalja erzählte mir vor Kurzem, dass es in der Schule Probleme mit ihrem 9 Jahre alten Jungen gibt. „Die Kinder schubsen sich immer gegenseitig – viele Lehrer sehen das gar nicht gerne.“ Wie interessant war es für mich zu sehen, dass auch junge Blässhühner ein solches Verhalten an den Tag legen können. Heute morgen schlich ich mich sehr früh an den Kuhmühlenteich. Ich hatte eigentlich vor, die kleinen Enten,die auf dem Nest von P71 und Unberingt schlafen, zu fotografieren. Wie überrascht war ich zu sehen, dass diesmal nicht die Enten auf dem Nest übernachtet hattet. P71 und Unberingt und drei seiner Juvenilen schliefen auf dem Nest stehend. Als ich sie ans Ufer lockte, um ihre Ringe abzulesen, erkletterte eine Ente flügelschlagend das Nest. Ein Juveniles von P71 schwamm daraufhin zum Nest zurück. Flink kletterte es auf das Nest, rannte auf die Ente zu und schubste sie regelrecht herunter. Dann blieb es selbst wie ein Gewinner auf dem Nest stehen. Die Freude dauerte aber nicht lange. Kurz danach kam ein anderes Juveniles von P71 zum Nest geschwommen. Es erklomm das Nest, rannte los und schubste sein Geschwister vom Nest. Später sah ich zwei Juvenile, vermutlich auch aus dieser Familie in Nestnähe kämpfen. Sie sprangen sich gegenseitig mit den Füßen an, ganz wie die Großen es bei Revierkämpfen tun. Anschließend verjagte P71 zweimal Juvenile aus dem Umkreis des Nestes. Danach schwamm er zum Nest zurück und machte Festtretebewegungen auf dem Nestrand. Es sah aus, als wolle er damit deutlich machen, dass das sein Revier sei.

06. August 2012: P71 und Unberingt – Blässrallen als Gastgeber für eine Entenfamilie

Im Revier von P71 und Unberingt gibt es keine Juvenilen mehr. Alle Fünf haben das Revier verlassen. Eine Zweitbrut wurde von dem Paar nicht begonnen. So entstand für sie eine Zeit der Entspannung und Gelassenheit. Das schlägt sich nun auch in ihrem Verhalten gegenüber Enten nieder. Schon letzte Woche konnte ich beobachten, dass das Nest von P71 und Unberingt von einer Stockente mit zwei Küken bewohnt wird. Die Entenküken dösten auf dem Nest, während das unberingte Blässrallenweibchen von P71 dicht neben dem Nest stand. Sie war in keiner Weise aufgeregt und machte keinen Versuch die Enten zu vertreiben. Heute morgen ging ich früh zum Kuhmühlenteich. Wieder fand ich die Entenküken auf dem Nest von P71 und Unberingt vor. In der Nähe hielt sich die Entenmutter auf. Blässrallenmännchen P71 stand schlafend auf einem Bein auf dem Nestrand und sein unberingtes Weibchen ihm gegenüber ebenfalls am Nestrand. Es war deutlich, dass dieses Blässrallenpaar kein Problem damit hatte, ihr Zuhause mit den Enten zu teilen. Alle vier: die beiden Entenküken und die Blässrallen schliefen tief und fest.
Zu Aggressionen von Blässrallen gegenüber anderen Wasservögeln kommt es also nur dann, wenn die eigenen Jungen sich noch im Revier befinden. Bei Unberingt und Unberingt an der Krugkoppelbrücke blieb das Revierverhalten auch noch kurz nach dem Verlust ihres Kükens aus einer Zweitbrut für einige Tage erhalten. Danach ist alles easy….

01. August 2012: Auch Mama braucht Streicheleinheiten

Normalerweise habe ich das gegenseitige Kopfkraulen nur bei adulten Blässrallenpaaren beobachtet. Es tritt zu allen Jahreszeiten auf, aber vermehrt vor, während und kurz nach der Brutzeit. In Ausnahmefällen wurden auch Blässhuhngeschwister gesehen, die sich gegenseitig kraulten (Beobachtungen von Christa Löffel, Simon Hinrichs und mir). Eine ganz neue Variante erlebte ich heute an einem Teich im Eichenpark in Wandsbek. Hier hat ein Blässhuhnpaar zwei große Juvenile. Die ganze Familie tauchte gemeinsam nach Wasserpflanzen. Immer wieder bettelten die großen Jungen das Weibchen an, wurden von diesem aber energisch vertrieben. Sie pickte den Jungen auf den Rücken, so dass diese wussten, dass hier nichts zu erwarten war. Munter tauchten sie daraufhin weiter selbstständig nach Wasserpflanzen. Zwischendurch schwammen sie zueinander hin. Beide rollten die Köpfe ein, was der Aufforderung zum Kraulen entspricht. Aber keines der Geschwister kraulte das andere, auch wenn sie die Köpfe ganz dicht zusammen hielten. Dann kam die Mutter zu einem der Geschwister. Auch sie rollte auffordernd den Kopf ein. Das Juvenile kraulte daraufhin flüchtig die Mutter. Zärtlichkeiten gibt es also auch Generationen übergreifend. Allerdings war diese Beoabachtung bisher ein Einzelfall.

23. Juli 2012: Blässrallenküken und ihre Eltern – Verhaltensvarianten – Vertreiben oder Bleiben?

Während P71 sehr energisch darauf hinarbeitet, dass sich seine Küken selbstständig machen, konnte ich bei T35 und Unberingt ein ganz anderes Verhalten beobachten. Dieses Paar hatte im Mundsburgkanal ein Juveniles großgezogen und begann danach mit einer Zweitbrut. Das zweite Küken schlüpfte auch, verschwand aber schon nach wenigen Tagen Lebenszeit. Zurück blieben T35 und Unberingt mit einem großen Juvenilen. Interessanterweise verhielten sie sich diesem Juvenilen gegenüber nicht aggressiv. Zur Zeit füttern sie das große Junge zwar nicht mehr, ich konnte sie aber beobachten, wie die ganze Familie Seite an Seite im Mundsburgkanal nach Muscheln tauchte. Jeder der drei versorgte sich selbst. Nach einiger Zeit kehrte „Papa“ T35 zum Brutnest zurück und rastete dort, auf einem Bein stehend. „Mama“ schwamm weiter den Mundsburgkanal hinab in Richtung Kuhmühlenteich. Dabei stieß sie immer wieder sanfte Lockrufe aus. Es war deutlich, dass sie das große Junge dazu aufforderte, hinter ihr her zu schwimmen. Dieses folgte ihr dann auch.
Später, Anfang August, hat sich dann die gesamte Familie vermutlich einem Trupp an der Außenalster bei Schwanenwik angeschlossen. Ich fand dort T35 mit ca. 40 anderen Blässrallen. In seiner Nähe schwamm ein diesjähriges Blässhuhn, vielleicht sein eigenes Juveniles. Ob das unberingte Weibchen mit im Trupp war, vermag ich nicht zu sagen, es wäre aber immerhin möglich.
Bemerkenswert finde ich das unterschiedliche Verhalten gegenüber den Juvenilen:
1. P71 mit Verfolgung und Unter-Wasser-Drücken der großen Juvenilen. Schließlich Trennung der Juvenilen von der Familie, während die Adulten Blässrallen P71 und Unberingt im Brutrevier bleiben.
2. T35 mit Duldung des Juvenilen, sein Weibchen sogar mit ausdrücklicher Bestärkung der familiären Bindung durch Lockrufe. Sollte wirklich die ganze Familie im Trupp bei Schwanenwik sein, wäre das auch eine ganz andere Verhaltensvariante als bei der Familie von P71.

04. Juli 2012: Ablösung vom Elternhaus – Vertreibung der jungen Blässrallen

In den letzten Wochen kann man bei einigen Familien , die schon größere Küken haben folgendes widersprüchliches Verhalten beobachten: Die Eltern werden von ihren großen Kindern angebettelt und füttern diese noch ab und zu. Immer wieder scheint bei ihnen aber auch „eine Sicherung durch zu brennen“. Sie jagen dann einzelne große Küken vor sich her und hacken nach ihnen. Man sieht dann ein einzelnes Küken laut rufend vor einem Elternteil fliehen. Teilweise werden auch Küken unter Wasser gedrückt, aber niemals so, dass es für sie lebensgefährlich wird. Seltsamerweise kann es sein, dass die Eltern dasselbe Küken kurz darauf wieder füttern, so als sei „nie etwas gewesen“. Dieses Verhalten dient dazu die großen Küken zu ermuntern, das Revier der Eltern zu verlassen.
An dem Becken an der Sechslingspforte halten sich drei Geschwister dicht beieinander, aber von den Eltern ist nichts zu sehen. Die Geschwister bleiben also noch etwas länger zusammen, auch wenn sie sich von den Eltern gelöst haben. Viele junge Blässhühner schließen sich auch bereits größeren Trupps an. So ist an der Kennedeybrücke ein Trupp von etwa 35 Blässhühnern, von denen fast ein Drittel Diesjährige sind.

30. Juni 2012: Geschwisterliebe – Küken klauen sich gegenseitig Futter

Am Alsterostufer in der Nähe des Lokals Alsterperle sind zwei unberingte Blässrallen mit ihren sieben weißbrüstigen Juvenilen unterwegs. Die Kleinen können sich im Großen und Ganzen selbst versorgen, betteln aber teilweise auch noch die Eltern an und werden manchmal von ihnen gefüttert. Interessant ist, dass auch die gleichaltrigen Geschwister untereinander manchmal die Bettelhaltung mit vorgestrecktem Kopf einnehmen. Auch picken sie manchmal nach dem Schnabel eines Geschwisters, wenn dieses Futter im Schnabel hat. Sie nehmen dann das Futter aus dem Schnabel, wie sie es auch bei den Eltern machen. Die solchermaßen „beraubten“ Geschwister wehren sich nicht dagegen und ahnden diese Übergriffe auch nicht. Sie suchen dann einfach weiter nach Futter für sich selbst. Es sind auch schon Fälle beobachtet worden, dass ältere Geschwister jüngere Geschwister aus einer Zweitbrut absichtlich fütterten indem sie Futter für sie sammeln und es ihnen im Schnabel anbieten. Bei dem, was hier beobachtet wurde, handelt es sich aber eher um Mundraub unter Gleichaltrigen, der aber mit Gelassenheit toleriert wird.

12. April 2012: NU6 am Kuhmühlenteich

NU6 hatte vor einigen Wochen bereits eine Nestplattform in der Nähe der Eisenbrücke (U-Bahn-Überführung) am Kuhmühlenteich errichtet. Nach einigen Tagen schien der Nestbau wieder aufgegeben worden zu sein. NU6 und seine Partnerin befanden sich aber weiterhin in der Nähe dieses Revieres. Da nun alle Blässhühner vermehrt an ihren Nestern bauen oder brüten kam mir das einigermaßen verwunderlich vor. Ihr Nest wurde immer mehr vom Wasser abgetragen und diente den beiden nur als Ruheplatz und im sich zu Putzen. Des Rätsels Lösung ergab sich, als ich mir einen anderen Abschnitt des Kuhmühlenteichufers genauer ansah: NU6 und Unberingt hatten nur wenige Meter von der alten Nestbaustelle entfernt ein neues Nest angelegt.Dieses Nest wird täglich von ihnen bebaut und ist auch schon fast fertig. Es ist stärker durch Zweige von Büschen verdeckt und somit sicherer als das ursprüngliche Nest. Deshalb hatte ich es aber auch nicht gleich gefunden.

08. April 2012: Mars macht mobil – bei Arbeit, Sport und Spiel

Immer wieder kommt es vor, dass Vögel einiges von dem Müll, den Menschen so hinterlassen, versuchen in ihre Nester einzubauen. Eine lustige Beobachtung machte ich am Nest von P71. Er brütet unter einer Weide in der Nähe der Gertrudenkirche am Kuhmühlenteich. Als ich zu ihm kam, saß er gemütlich ausgebreitet in der Nestmulde auf seinen Eiern. Neben ihm steckte zwischen den Zweigen des Nestes eine Verpackung von einem Mars-Schokoriegel. Dieses Papier ragte aber so ungünstig hervor, dass es P71 im Gesicht berührte. P71 nahm sich das Mars-Papier und stopfte es mit dem Schnabel von der rechten Seite des Nestes auf die linke Seite. Da diese Folien aber so schlecht zu knüllen sind, entfaltete sich das Papier knisternd wieder. Er nahm es erneut und versuchte es unter die Zweige vor sich sich stecken. Auch da blieb es aber nicht so, wie P71 es hinein gesteckt hatte. So musste P71 mehrere Male das Papier an verschiedenen Stellen des Nestes einbringen, bis es endlich an seinem Platz blieb.

01. April 2012: Partner versteckt?

Es gibt bereits einige stabile Reviere an der Außenalster. Bei den Ablesungen in den letzten Tagen war auffallend, dass ich dort häufig nur einen der Partner sehen konnte. Das war der Fall bei W19 (und Unberingt) am nördlichen Alstervorland, P53 (und Unberingt), SP4 (und Unberingt) am östlichen Ufer der Außenalster. Möglicherweise liegt das daran, dass im Schilf versteckt bereits ein Nest angelegt wurde und einer der Partner auf dem Nest sitzt. Gerade an der Außenalster kann man diese Nester aber nicht alle vom Ufer aus sehen. Am Kuhmühlenteich befand sich in den Revieren von P71 und Unberingt sowie NU6 und Unberingt jeweils einer der Partner auf dem Nest, während der andere mehrere Meter weit entfernt umher schwamm und Nahrung suchte.

29. März 2012: Nestbau und Brüten

Zwei brütende Blässhuhnpaare gibt es bereits: eines in Hagenbeks Tierpark und eines am Schiffbeker Moor. Die meisten Blässhühner haben aber gerade erst ihre Nestplattform fertig gestellt. Am Kuhmühlenteich konnte ich bislang nur zwei Reviere ausmachen: P71 und Unberingt auf der Höhe der Gertrudenkirche sowie NU6 und Unberingt am Eilenau-Ufer in der Nähe der U-Bahn-Brücke. W27 ist zwar am Leben, hat sich aber wohl ein anderes unbekanntes Revier gewählt. Ich sah sie vor einigen Wochen mit W35 an der Wartenaubrücke. Beide habe ich seitdem nicht wieder gefunden.

06. Dezember 2011: Wie geht es V40?

Als ich Blässhuhn V40 im Sommer kennen lernte, lebte er am Ostufer der Alster, in der Nähe des Restaurants „Kajüte“. Sein linkes Auge war entzündet. Er bekam von mir ab und zu Traumeel T, in Wasser aufgelöste Milchzuckertabletten auf Toastbrot, was ihm aber nicht half. Schließlich fand ich ihn mit gelähmten Flügeln und Beinen, sehr, sehr schwach und kaum noch bewegungsfähig am Ufer bei Schwanenwik. Blässhuhn V40 wurde für einige Tage bei mir zu Hause aufgenommen. Ich dachte, dass er sterben würde und wollte ihm damit ersparen, von einem Hund am Ufer aufgestöbert und gerissen zu werden. V40 aber überraschte mich. Die Beweglichkeit in den Gliedmaßen kehrte ohne ärztliche Behandlung zurück. Er wurde insgesamt kräftiger und munterer. Ein Problem war, dass er in Gefangenschaft kaum etwas fressen mochte. Möglicherweise hatte er auch Magen-Darm-Probleme, denn ab und zu hörte ich ein ziemliches Kollern in seinem Bauch. Sobald er wieder mit den Flügeln schlagen und die Beine bewegen konnte wurde Blässhuhn V40 umgehend wieder freigelassen. Ausgesetzt am Kuhmühlenteich schwamm er sofort zügig in Richtung Schwanenwik. Dort blieb er einige Tage. Danach hielt er sich wieder in seinem Revier an der Alster, Ost beim Restaurant Kajüte auf. Dort treffe ich ihn immer mal wieder – oft ist er aber auch unterwegs. Sein linkes Auge ist nach wie vor sehr entzündet. Das Unterlid ist nach außen gestülpt, so dass man die weiße, teils auch rötliche Bindehaut sehen kann. V40 wirkt aber sonst fit. Einmal sah ich, wie er sich im Wasser schüttelte und dabei die Flügel bewegte. Er kann schwimmen und frisst wieder mit Begeisterung. Er ist also dem Tod noch mal von der Schippe gesprungen. Die Lähmung hätte deshalb sein Ende bedeuten können, weil es in den Tagen, in denen er so krank war, nachts Frost gab.

06. Dezember 2011: N73 spricht mit mir!

Dass mich Blässhühner, wenn ich sie regelmäßig besuche, wiedererkennen und auf mich zugelaufen kommen, habe ich natürlich schon oft erlebt. Aber heute erlebte ich eine außergewöhnlich lustige Begegnung mit N73 und seinem Weibchen. Ich war am Mundsburgkanal Richtung Alster unterwegs und achtete auf nichts besonderes. Plötzlich hörte ich ein deutliches Blässhuhn-Fiepen vom Kanal her. Neugierig schaute ich zur Kaimauer. Da sah ich N73, der immer wieder versuchte, an der Kaimauer hochzuspringen. Es schien mir so, als ob er mich wiedererkannt hatte. Immer wieder hob er sich mit kleinen Sprüngen halb aus dem Wasser und fiepte. Natürlich ging ich zu ihm und fütterte ihn. Ich nehme an, dass er sich gemerkt hat, dass er von mir zu den Ringablesungen immer wieder etwas Futter bekommt. Es ist mir aber noch nie passiert, dass mich ein Blässhuhn, wie N73 heute, „gerufen“ hat und durch Sprünge auf sich aufmerksam machte.

06. Oktober 2011: Schlägereien am Kuhmühlenteich

Am Kuhmühlenteich wurde alle Brutreviere aufgelöst. Es bildete sich daraufhin ein Trupp von ca. 20 – 30 Blässhühnern. Viele davon sind aus anderen Gebieten Hamburgs hierher eingewandert. So fanden sich N94, N20 und NN5 heute neu im Kuhmühlenteich-Trupp. Dabei kam es zu mehreren Zwischenfällen zwischen P71 und NN5. P71 war in diesem Jahr Brutvogel am Kuhmühlenteich. Er fühlte sich vor allem durch NN5 extrem herausgefordert. Während P71 andere, auch starke Blässrallen tolerierte, verfolgte er NN5 immer wieder mehrere Meter weit. Einmal gelang es ihm, NN5 zu packen und brutal unter Wasser zu drücken. NN5 hat diesen Überfall allerdings unbeschadet überstanden. Vielleicht ist NN5 deshalb für P71 ein solcher Dorn im Auge, weil NN5 seinerseits ein starkes Dominanzstreben im Trupp zeigt. Anders verhält es sich beispielsweise mit N20, der zwar sehr groß und stark ist, sich aber in keinerlei Kämpfe verwickelt. P71 scheint sich neu verpaart zu haben. Obwohl seine Brutpartnerin W28 am Leben ist, sah ich ihn schon mehrmals in Begleitung einer unberingten Blässralle.

21. August 2011: Revierverhalten und Auflösung der Brutreviergrenzen

An der Außenalster Süd sind die vorher genau abgegrenzten Brutreviere aufgegeben worden. Zwar halten sich ehemalige Reviervögel wie W20 und T59 in der Nähe ihrer Brutreviere auf, aber sie sind Teil von größeren Trupps. Die Mitglieder dieser Trupps werden nicht vom Revier ferngehalten.
Anders verhält es sich mit W27 und Unberingt am Kuhmühlenteich. Das Paar verteidigt immer noch sein Brutrevier, obwohl sie keine Juvenilen oder Küken mehr haben. Sie vertreiben Juvenile Blässrallen, wobei nicht klar ist, ob diese Juvenilen ihre eigenen sind oder aus anderen Revieren stammen. Interessant ist aber auch, wen sie nicht vertreiben. Enten und Haubentaucher werden in unmittelbarer Nähe der beiden Nester geduldet. Das Revierverhalten wird nur ausgelöst durch Blässrallen und Teichrallen. Eine Teichrallenfamilie hält sich sehr nahe beim ehemaligen Brutrevier von W27 und Unberingt auf.

14. August 2011: Auflösung der Familienverbände

Die Familienverbände lockern sich. Teilweise sieht man schon Eltern ohne ihre Juvenilen aus diesem Jahr in der Alster schwimmen (z.B. SP3 + U). In einigen Familien verblieb ein Teil der großen Juvenilen noch bei den Eltern, während sich die Geschwister nicht mehr in der Nähe des Brutreviers aufhalten. So ist von den fünf Juvenilen aus der Erstbrut von W27 am Kuhmühlenteich noch eines bei den Eltern, alle anderen sind fort. Sowohl W27 als auch ihr Partner füttern dieses große Juvenile noch, obwohl es sich problemlos selbst versorgen kann. Im Revier von N11 halten sich von den ursprünglich sechs Juvenilen noch zwei in der Nähe von N11 auf. Sie werden von N11 aber nicht mehr gefüttert, auch wenn sie die Bettelhaltung mit schräg gelegtem Kopf einnehmen. Ähnlich distanziert verhält sich N20 gegenüber seinen drei großen Juvenilen. Diese begleiten ihn noch, betteln aber nicht mehr. Beim Kampf um ausgestreutes Futter pickt N20 nach seinen Juvenilen und verfolgt sie. Er betrachtet sie eindeutig als Nahrungskonkurrenz.

29./30. Juli 2011: Trupps an der Außenalster

Die Zusammensetzung und Lokalisierung der Blässrallen-Trupps an der Außenalster ändert sich. So konnte ich am 30. Juli an der Außenalster Ost bei Schwanenwik überhaupt keinen Blässrallen-Trupp finden. Dafür gab es gleich zwei kleinere Trupps (15 – 20 Ex.) an der Bellevue. An der Außenalster West befand sich am 29. Juli ein Trupp in der Nähe der amerikanischen Botschaft. Interessant ist, dass dieser Trupp sich zwischen zwei ehemaligen Brutrevieren befand. Die eine Familie (T84 + Fml) hatte sich vollständig in den Trupp integriert. Die andere Familie (T13 + Fml) legte großen Wert darauf, sich von dem Trupp abzugrenzen und ihr Revier zu verteidigen. Die Trupps bestehen ganz überwiegend aus diesjährigen Vögeln. Es scheint sich um kleinere Familienansammlungen zu halten. Nichtbrüter konnte ich bei diesem Rundgang nur in der Minderheit finden (z.B. P86 und N73 an der Bellevue).
Am Nordteich auf dem Ohlsdorfer Friedhof befindet sich nur ein einziges Blässrallenrevier. Dieses wird nach wie vor entschieden gegen Enten verteidigt, die es wagen, sich der Familie auch nur auf drei Meter zu nähern. Man kann also im Moment von einer teilweisen Auflösung der Brutreviergrenzen sprechen. Teilweise werden die Reviere noch strikt verteidigt.

26. Juli 2011: Bruterfolg am Kuhmühlenteich

Das Zweitgelege von W27 wurde erfolgreich bebrütet. Seit heute konnte ich ein kleines Pullus erkennen, das auf dem Nest saß und mit den Flügelchen wedelte. Im Nest liegt noch mindestens ein Ei. So wird das Kleine wohl noch Geschwister bekommen. Vermutlich war dieses Pullus schon am 24. Juli vorhanden und saß für mich unsichtbar bei Unberingt unterm Gefieder. Das würde erklären, warum W27 zu ihrem unberingten Partner etwas Futter an den Nestrand brachte.
W28 + P71, die nach und nach drei Pulli ihres Erstgeleges verloren hatten, sind nun wieder stolze Eltern. Auch diesmal sind drei Pulli geschlüpft. Sie verlassen schon das Nest und schwimmen hinter ihren Eltern her, wenn es etwas zu Fressen gibt. Das Nest ist diesmal durch einen umgestürzten Baum gut gegen Rabenkrähen geschützt. Die Chancen stehen gut, dass diese drei Küken überleben werden. Es lohnt sich also doch manchmal, wieder einen Neuanfang zu wagen. Nach dem Tod des dritten Kükens aus dem Erstgelege wirkten P71 und W27 richtig traurig und abgeschlagen. Sie brauchten einige Tage, um sich zu erholen. Dann fingen sie wieder an das bereits vorhandene Nest zu bebauen und näherten sich einander durch zärtliches Halskraulen.

24. Juli 2011: Mausertrupps an der Außenalster

Die Familienverbände bestehen zum Teil noch, zum Teil lösen sie sich aber auch schon auf. So hat beispielsweise W72 mit Familie das Revier am Haynspark verlassen und sich einem Mausertrupp am südlichen Ende der Außenalster angeschlossen. Das ist mehrere Kilometer vom Brutrevier entfernt. Andere Brüter und Nichtbrüter am Haynspark haben sich dort zu einem Trupp von ca. 10 Adulten und Juvenilen zusammengeschlossen. Interessant wäre die Frage, warum W72 mit Brutrevier im Haynspark sich nicht dem Haynspark-Trupp angeschlossen hat, sondern so weit weg geschwommen ist. An der Außenalster gibt es jetzt drei größere Mischtrupps aus mausernden Adulten und fast flüggen Juvenilen:
1. südliches Ende der Außenalster, West – vor der amerikanischen Botschaft
2. Schwanenwik, Außenalster, Ost
3. Bellevue, Außenalster, Ost

24. Juli 2011: Partner füttern? Neue Beobachtung am Kuhmühlenteich

S08 am Eppendorfer Mühlenteich füttert sein Weibchen nicht mehr. Nach wie vor wacht er aber eifersüchtig über sein Brutrevier und beansprucht gegenüber SP9 + U die Hälfte des Gewässers für sich.
W27 am Kuhmühlenteich und U bebrüten weiterhin abwechseln ihr Zweitgelege. Die fünf Juvenilen aus dem Erstgelege sind weitgehend selbstständig. Heute brachte W27 mit leisem Fiepen dem brütenden unberingten Partner Futter aufs Nest. Unberingt übernahm davon aber nur einen kleinen Teil. Ein Pullus wurde nicht gefüttert. Die Frage ist also, ob definitiv noch kein Pullus bei Unberingt unterm Gefieder sitzt? Warum bringt W27 dann Unberingt etwas zu Fressen aufs Nest? Geht dieses Verhalten schon vor dem Schlüpfen der Pulli los? Oder ist doch schon ein frisch geschlüpftes Pullus vorhanden und Unberingt hat mit dem Füttern noch nicht angefangen? Eier konnte ich im Nest sehen.

19. Juli 2011: Schicksale der Zweit- und Nachgelegebrüter

W87 und Unberingt am Haynspark haben die beiden Küken aus ihrem Zweitgelege nach wenigen Tagen verloren. Geblieben ist ihnen ein Juveniles aus dem Erstgelege, das bald ausgewachsen ist.
Am Kuhmühlenteich sitzt W27 auf den Eiern ihres Zweitgeleges. Die Küken werden von ihr und von mir jederzeit erwartet. Weitere Nachrichten vom Kuhmühlenteich: P71 und W28 hatten nach und nach alle Küken ihres ersten Geleges verloren. Schuld daran können Ratten, Krähen oder auch ein Unwetter gewesen sein. Sie bebrüteten dann ein Nachgelege. Gestern sah ich auf dem Nest mindestens 2 Pulli, vielleicht steckten auch noch mehr unter dem Gefieder von W28. Durch einen umgefallenen Baum, der im Uferbereich direkt vor dem Nest liegt, ist das Nest jetzt sehr gut vor Rabenkrähen geschützt. Viele Rabenkrähen halten sich in der Nähe des Nestes auf. Die Krähen machen aber keine Anstalten durch das dichte Geäst der Weide hindurch zum Nest zu hüpfen. Möglicherweise haben W28 und P71 jetzt bessere Chancen ihre Küken aufzuziehen als beim ersten Versuch.

14. Juli 2011: Kindfrau? S08 füttert sein Weibchen weiterhin!

Heute war ich wieder am Eppendorfer Mühlenteich. Obwohl S08 + Unberingt auch die Küken des Nachgeleges verloren haben und kein weiteres Nachgelege begonnen haben, verteidigen sie ihr Brutrevier. Konkurrenz sind in diesem Fall SP9 und Unberingt, das einzige weitere Revierpaar im Eppendorfer Mühlenteich. SP9 mausert und das Paar treibt sich häufig an der Stelle herum, an der von Spaziergängern oft gefüttert wird. S08 vertrieb heute SP9 auf eine lange Strecke. Er jagte ihn etwa über die Hälfte des Teiches, ca. 15 -20 Meter weit. Ansonsten ist es nach wie vor so, wie ich es am 11. Juli beschrieben hatte: Wird S08 und Unberingt Futter von mir angeboten, so langt Unberingt ungeniert zu und futtert. S08 dagegen ist nur bestrebt, für Unberingt Futter im Schnabel zu sammeln. Er frisst nichts davon selbst. Er gibt leise fiepende Geräusche von sich und bietet alles Unberingt an. Ich versuchte S08 dazu zu bringen, auch selbst etwas zu fressen. So warf ich genau zeitgleich Unberingt und S08 ein Bröckchen Toastbrot vor. Unberingt fraß ihr Stück sofort auf. S08 behielt sein Bröckchen im Schnabel, sammelte sorgfältig kleine Teile davon auf, die sich im Wasser aufgelöst hatten, schwamm dann zu Unberingt und bot es ihr an. Unberingt frisst dann alles bis auf den letzten Krümel auf, S08 übergibt ihr das gesamte „Fresspaket“. Das Futter wird also nicht aufgeteilt, wie es adulte Blässrallen machen, wenn sie mehrere Küken zu füttern haben. Im Grunde verhält sich S08 gegenüber seinem Weibchen so, als ob es das einzige Küken sei, das dann auch das ganze Futter bekommt.
Was mich daran so ungeheuer erstaunt, ist, dass dieses Verhaltens-Überbleibsel der „Fütterung der Küken“ noch mehrere Tage nach dem Verlust der Küken von S08 angewandt wird. Es scheint so, als ob Unberingt für S08 jetzt die Stelle der verstorbenen Küken einnimmt. Und das Wohl der Küken hat eben Vorrang vor dem eigenen leiblichen Wohl.

11. Juli 2011: S08 füttert sein Weibchen!

S08 und Unberingt bilden seit dem Frühling am Eppendorfer Mühlenteich ein Paar. Sie wurden bei Brut und Nestbau sehr stark durch Ausbaggerungsarbeiten am Mühlenteich gestört. Auch schwimmen teilweise Schlieren im Wasser, die von Benzin oder Öl der großen Baufahrzeuge im Wasser stammen können. Am 18. Mai 2011 waren zwei Pulli geschlüpft. Die Familie musste wegen Störungen ihr Nest verlegen. Bereits zwei Wochen später gab es keine Pulli in dieser Familie mehr. S08 und Unberingt bebrüteten daraufhin sehr bald ein Nachgelege. Am 4. Juli war ein Pullus auf dem Nest zu sehen. Ich konnte nicht erkennen, ob noch mehr Pulli bei Unberingt unterm Gefieder gewärmt wurden. Schon wenige Tage später hatten die beiden ungücklichen Eltern aber auch das Pullus oder die Pulli des Nachgeleges verloren. Vorgestern kamen beide ans Ufer geschwommen, um sich mit Haferflocken füttern zu lassen. Sie sammelten kein Futter, um es zum Nest zu bringen.
Heute erlebte ich dann etwas ganz Erstaunliches. Als ich S08 ein Bröckchen Futter zuwarf, behielt er es im Schnabel. Er schwamm zu seinem unberingten Weibchen und teilte das Futter mit ihr. Dieses Verhalten kannte ich bis jetzt nur dann, wenn mehrere Küken vorhanden sind. Die Adulten teilen das Futter untereinander auf, um eine größere Schar von Küken gleichmäßig versorgen zu können. In diesem Fall wurde aber nur das Futter unter den beiden verwaisten Eltern aufgeteilt. Das Verhalten von S08, seinem Weibchen selbst gesammeltes Futter anzubieten, wiederholte sich immer wieder. Einmal, als S08 das Weibchen aus den Augen verloren hatte, behielt er auch ein Futterbröckchen im Schnabel. Er schwamm herum und gab leise fiepende Laute von sich. Dieses Fiepen ist ein Signal, das ich vor der Kopulation oder auch im Zusammenhang mit Fütterung der Pulli kannte. S08 versuchte vermutlich sein Weibchen darauf aufmerksam zu machen, dass er Futter für sie hatte.
Erklären kann ich mir dieses Verhalten nur mit dem kurz zurückliegenden Verlust der Pulli des Nachgeleges. Ein Teil des Verhaltens bei der Versorgung der Pulli scheint noch im Verhaltensrepertoire von S08 geblieben zu sein. Vermutlich wird sich dieses Bestreben  „Futter zu teilen“ mit größerem zeitlichen Abstand zum Verlust der Pulli verlieren.

24. Juni 2011: N73 und Unberingt geben auf!

N73 und Unberingt deren Nest ich erst Anfang des Monats im Alster-Seitenarm am Westufer entdeckt habe, haben ihren Brutversuch aufgegeben. Das Nest ist bereits seit einer Woche verlassen. Am Seitenarm sind nun nur noch O42 und seine Familie zu finden. N73 und Unberingt traf ich heute im Nichtbrütertrupp am anderen Alsterufer, Höhe Bellevue, an. Dort hält sich auch W94 mit Unberingt auf, die offenbar ihren Brutversuch im Eppendorfer Moor aufgegeben haben. Der ehemals sehr schüchterne W11 (Frank) ist frisch verpaart mit einer sehr schlanken unberingten Blässhuhn-Dame. Die beiden tyrannisieren und dominieren den ganzen Trupp. P86, die hier ebenfalls einen Brutversuch abgebrochen hat, ist nicht mehr mit dem beringten Brutpartner zusammen, sondern ebenfalls in Begleitung von Unberingt.

22. Juni 2011: Echte Zweitbrut entdeckt

Heute fand ich an der Außenalster, West, Höhe Fontenay, eine Blässrallen-Familie mit einer echten Zweitbrut. Unberingt und Unberingt haben vier Küken, die ca. 5 Wochen alt sind. Dabei schwammen dann noch zwei rotköpfige Küken herum, die etwa eine Woche alt sind. Beide Generationen wurden noch von den Eltern gefüttert. Die fünf Wochen alten Küken können sich natürlich schon weitgehend selbst versorgen. Sie sind auch in der Lage zu tauchen. Dennoch machten die Adulten keinen Unterschied und boten allen Geschwistern gleichermaßen Nahrung an. An zwei anderen Nestern ist möglicherweise eine zweite Kükengeneration „in Arbeit“. W27 am Kuhmühlenteich schwamm heute nicht wie sonst mit ihrem unberingten Partner und den vierwöchigen Küken auf Nahrungssuche herum. Sie saß fest auf dem Nest und war von dort nicht wegzulocken. Ähnliches beobachtete ich bei dem Paar W87 und Unberingt am Haynspark. Einer der Partner schwamm mit dem großen Küken herum, der andere Partner saß wie angewurzelt auf dem Nest. Ich vermute: „Die brüten irgendwas aus“ ;)

16. Juni 2011: P71 und W28 – die Liebe siegt über die Trauer

P71 und W28 hatten vor wenigen Tagen ihr letztes Küken verloren. Sie wirkten sehr angeschlagen, schliefen viel, putzen sich und kamen nicht an Land, um zu fressen. Nun scheint es den beiden besser zu gehen. Heute fand ich sie beide dicht aneinandergeschmiegt auf dem Nest liegend. Sie tauschten Zärtlichkeiten (Halskraulen) aus. Auch interessierten sie sich wieder für Futter. Beide Partner bauen ab und zu am Nest. Wir haben also wahrscheinlich einen zweiten Brutversuch zu erwarten.

14. Juni 2011: Kükenverlust W27

Das etwas schwächliche Küken von W27 und Unberingt ist gestorben. Ich fand es heute tot im Wasser treibend in der Nähe des Nestes.

12. Juni 2011: Schachtelbrut im Eichenpark

Im Eichenpark im ehemaligen Revier von W49 haben jetzt zwei Unberingte Blässrallen Revier genommen. Evtl. haben sie dabei W49 + Unberingt vertrieben. Das jetzige Paar hat 4 Küken. Davon sind 3 weißbrüstig und etwa vier Wochen alt. Ein weiteres Küken ist noch rotköpfig und höchstens zwei Wochen alt. Es müsste sich hier also um eine Schachtelbrut handeln. Mir war aufgefallen, dass in der letzten Woche noch gebrütet wurde, obwohl bereits größere Küken auf dem Nest saßen und im Wasser herumflitzten.

12. Juni 2011: Überraschung am Rückhaltebecken Eeenstock

Das Rückhaltebecken Eenstock in Bramfeld besuche ich nur ab und zu. Dabei hatte ich zu Beginn des Frühlings einmal V08 gesehen, ein anderes Mal traf ich V50 mit unberingtem Partner an. Heute fand ich die beiden Blässrallen V08 und V50 als Paar und stolze Eltern von vier weißbrüstigen Küken vor. Interessant ist, dass sie überhaupt am Eenstock brüten. Ursprünglich stammen sie vom Eppendorfer Mühlenteich, also aus einem ganz anderen Stadtteil. Es gibt keinen direkten Wasserweg zum Eenstock. Die Beiden müssen sich in Eppendorf kennengelernt haben und sind dann vielleicht gemeinsam nach Bramfeld geflogen. Wie schade, dass man sie nicht fragen kann, was sie dazu motiviert hat und wie sie überhaupt zum Eenstock gefunden haben. Dieses Gewässer ist eher spärlich von Blässrallen besiedelt.

11. Juni 2011: Verwaiste Eltern am Kuhmühlenteich

P71 und W28 hatten bereits vor einigen Wochen das erste von drei Küken verloren. Im großen Sturm vor einigen Tagen kam das kleinere ihrer beiden verbliebenen Küken um. Das letzte Küken ist seit heute verschwunden. Vielleicht wurde es von Ratten gefressen. Ich fand mehrere tote Ratten am Ufer in der Nähe des Nestes. Eventuell sind sie beim Sturm ertrunken. Es wurde nämlich kein Gift ausgelegt, an dem sie gestorben sein könnten. P71 und W28 kommen nicht mehr an Land gestürmt, wenn es etwas zu Fressen gibt. Sie wirken sehr zurückhaltend, putzen sich und schlafen viel. Ab und zu bauen sie ein wenig am Nest. Vielleicht wagen sie ja noch einmal einen Versuch?
Dagegen haben W27 und Unberingt ihren Neststandort wohl sehr gut gewählt. Sie haben ihr Nest auf der Höhe der Gertrudenkirche. Dort gibt es zumindest keine Krähen. Nach wie vor haben sie sechs Pulli, von denen eines aber ein bisschen schwach auf den Beinen ist. Es trieb sich heute allein auf dem Uferweg rum, auf dem Spaziergänger auch ihre Hunde frei laufen lassen. Es hat dort kaum Fluchtmöglichkeiten, weil die Uferböschung von Unkraut bewachsen ist. Deshalb habe ich es wieder ins Wasser gescheucht.

04. Juni 2011: Neuigkeiten aus verschiedenen Stadtteilen

V04 und Unberingt haben jetzt 6 Küken. Sie misshandeln die Küken nicht mehr. Die Küken sind ordentlich gewachsen und die Eltern kommen mit dem Füttern jetzt besser zurecht.
Am Eppendorfer Mühlenteich haben S08 und Unberingt ein Nachgelege begonnen. Das einzige Küken, das ihnen aus dem ersten Gelege noch geblieben war, ist inzwischen verschwunden. Vermutlich haben sich die Störungen durch ausgedehnte Ausbaggerungen des Mühlenteiches sehr negativ ausgewirkt. S08 und Unberingt mussten sogar ihren Neststandort verlegen. Das ursprüngliche Nest wurde durch die Baggerarbeiten so in Unruhe versetzt, dass sie darauf nicht bleiben konnten.
Am Seitenarm der Außenalster West habe ich ein sehr spät angelegtes Nest entdeckt. N73 und Unberingt brüten hier. Das Nest ist so versteckt unter eine Uferpflanze, dass ich es nur entdeckte, weil das brütende Weibchen schrille Rufe von sich gab. Einige Graugänse waren dem Nest zu nahe gekommen.

20. Mai 2011: Blässhuhn-Eltern im Fütterstress??

Am Nest von V04 und Unberingt sind inzwischen 5 Küken geschlüpft. Abgesehen davon liegen auch noch 5 Eier im Nest. Die beiden Eltern zeigen beide ein äußerst rabiates Verhalten gegenüber ihren Küken. Immer wieder hacken sie nach ihnen, packen sie am Gefieder und schütteln sie. Dies geschieht alles während des Fütterns. Eine Besonderheit dieses Paares: manchmal nimmt einer der Adulten sogar das Köpfchen eines Kükens in den Schnabel und schüttelt es. Immer wieder hört man erschrockenes Quietschen der Küken. Ich fragte mich, warum dieses Verhalten bei diesem Paar so oft auftritt. Bei anderen Paaren habe ich es eher als ein Ausnahme-Verhalten beobachtet. Eventuell haben diese beiden Eltern besondere Schwierigkeiten ihre Küken zu füttern. Das Nest befindet sich in der Nähe eines Bootsanlegers. Viele andere Blässrallennester sind in geschützten Schilfgürteln entlang der Alster untergebracht. Hier gibt es zusätzlich zu den Muscheln, die die Eltern durch Tauchen an die Wasseroberfläche bringen, noch Insekten und Würmer. V04 und Unberingt sind jedoch ganz auf die Versorgung mit Muscheln angewiesen. Diese Muscheln müssen dazu noch sehr klein sein, damit sie von den Küken gefressen werden können. Es schien mir so, als ob sie große Schwierigkeiten haben, den Bedarf ihrer Küken zu decken. Da die Küken ständig piepsen, zu ihren Eltern schwimmen und Futter fordern, reagieren diese vielleicht mit Aggressionen??

14. Mai 2011: Erneut zärtliche Brutablösung beobachtet

W72 und Unberingt haben ihr Nest in einem Seitenarm der Alster, der zum Eppendorfer Mühlenteich führt. Die beiden Blässrallen haben in diesem Jahr erst auf Umwegen zueinander gefunden. Zuerst war W72 nämlich mit V40 verpaart. Erst später kam es zu einer Verpaarung mit Unberingt – dem Partner für zumindest diese Brutsaison. Heute beobachtete ich eine Brutablösung von W72. Er/ sie schwamm zum brütenden Partner auf dem Nest. Wieder berührten sich die beiden Blässrallen vorsichtig mit den Schnäbeln im Gesicht. Schließlich kraulte W72 den Partner mit dem Schnabel im Nacken. Dieser erhob sich daraufhin und so konnte W72 das Brutgeschäft übernehmen.

13. Mai 2011: Küken am Kuhmühlenteich

W27 und Unberingt haben inzwischen fünf Küken. Bei W28 und Unberingt sah ich gestern zwei Küken auf dem Nest, evtl. sind noch mehr da. Es kann auch sein, dass schon Küken dieses Paares von Rabenkrähen gefressen wurden. Das Nest liegt in unmittelbarer Nähe eines Rabenkrähen-Trupps.

08. Mai 2011: 1. Küken am Kuhmühlenteich

Auf dem Nest von W27 war heute ein Küken zu sehen. Evtl. sind noch mehr da unter dem Eltern-Gefieder! Weitere Küken fand ich am Goldbekkanal und Eilbekkanal.

04. Mai 2011: Todesfall am Kuhmühlenteich

Inzwischen brüten am Kuhmühlenteich alle Paare, außer NU7 und U. Als ich heute deren Nest noch einmal genauer inspizierte, sah ich, dass einer der Partner tot auf dem Nest liegt. Es war nicht zu erkennen, ob es sich um NU7 selbst oder sein unberingtes Weibchen handelte. Möglicherweise liegt der tote Partner schon seit einigen Tagen dort. Das Nest ist wegen herunterhängender Blätter schlecht einsehbar. Auf jeden Fall ist hiermit das Rätsel gelöst, warum NU7 + U nicht brüten. Evtl. war das Weibchen krank und gar nicht in der Lage Eier zu legen. Äußere Verletzungen waren an dem Vogel nicht zu erkennen.

04. Mai 2011: Geliebte – ich eile – ich fliege!

Eine reizende Beobachtung bescherte mir heute der Partner von W27, die brütend auf dem Nest sitzt. Als ich am Kuhmühlenteich entlangschlenderte, sah ich plötzlich eine unberingte Blässralle mit Nistmaterial ca. 10 Meter weit in einem hohen Tempo über die Wasseroberfläche fliegen. Er befand sich mit dem ganzen Körper in der Luft, es war kein „Laufen auf dem Wasser“. Hier in Hamburg sieht man das eher selten. Wenn Blässrallen fliegen, tun sie das eher bei stürmischem Wetter. Vielleicht nutzen sie den damit verbundenen Aufwind. Warum der Transport dieses hellen, länglichen Nistmaterials nun so eilig war, vermag ich nicht zu sagen. Auch weiß ich nicht, um was es sich genau handelte. Es sah aus wie Schilf, aber am Kuhmühlenteich wächst kein Schilf. Was auch immer der Partner von W27 da ergattert hatte, er hatte es offenbar sehr eilig, es seinem Weibchen zu bringen. Am Ende des Fluges lief er über die Wasseroberfläche, dann erkletterte er die Nestrampe und überreichte W27 das Material. Sie baute es umgehend ein.

30. April 2011: Kuhmühlenteich weiteres Revierpaar brütet

Gestern abend fand ich einen der Partner des Paares U + U (A) auf dem Nest sitztend vor. Heute morgen um 9:00 Uhr sitzt wieder einer der Partner auf dem Nest. Evtl. hat jetzt auch bei diesem Paar ein Brutbeginn stattgefunden. Das Nest von NU7 + U wurde weiter bebaut und erhöht. Eier sind aber keine vorhanden. Heute morgen traf ich auch nur NU7 alleine im Revier an.

29. April 2011: Zärtliche Brutablösung

Eine besondere Beobachtung machte ich heute bei einem sehr gut einsehbaren Nest am Schwanenwik. Einer der Partner saß auf dem Nest und brütete. Der andere Partner kam herangeschwommen und wollte offenbar den Brütenden ablösen. Er kletterte auf das Nest. Die beiden Blässrallen berührten sich gegenseitig wiederholt mit den Schnäbeln. Dann begann der hinzugekommene Partner den brütenden Partner zärtlich am Nacken zu kraulen. Daraufhin erhob sich dieser, verließ das Nest und der neu Hinzugekommene setzte sich auf die Eier. Es wirkte so, als ob er sagen wollte: „Lass nur, Liebes, geh Du mal schwimmen, ich übernehme jetzt das Brüten“.

27. April 2011: Brutgeschehen an Kuhmühlenteich und Alster

Die Lage am Kuhmühlenteich ist bislang unverändert. Die drei Brüter brüten – die zwei Nichtbrüter brüten nicht, obwohl ein rudimentärer Nestbau stattgefunden hat. An der Außenalster ist das Schilf in den abgesperrten Schilfgürteln gewachsen. Viele Blässrallen brüten hier. Eine ganze Zahl der Nester ist nicht einsehbar. Die Ringablesungen sind dadurch sehr erschwert. Im Moment kann ich kaum Daten aufnehmen. Sobald die Kleinen geschlüpft sind, werden die Familien auch wieder mobiler. Dann wird es möglich sein, mehr über die einzelnen Paare auszusagen.

22. April 2011: Kuhmühlenteich-Brüter und Nichtbrüter

Am Kuhmühlenteich wurden im März fünf Reviere besetzt. In allen Revieren begannen die Paare mit dem Nestbau. Drei Paare sitzen seit zwei Wochen fest auf ihren Nestern und brüten. Die anderen beiden Paare lassen immer wieder den Nestbau ruhen. NU7 + Unberingt hatten bis vor ein paar Tagen lediglich eine Nestplattform. Nun ist das Nest ein bisschen höher, aber sie haben bis jetzt keine Brut begonnen. U + U (A) haben zwar Nistmaterial aufgeschichtet, sie halten sich aber kaum am Nest auf. Häufig sind sie ca. 15 Meter weiter östlich am Eilenau Ufer anzutreffen.

20. April 2011: Umgekehrte Paarung auch bei Haubentauchern

Wie meine Hamburger Ringablese-Kollegin Christa Löffel mir mitteilte, kommt es auch bei Haubentauchern zu Paarungen mit wechselnden Rollen. Sie berichtete von mehreren solchen Beobachtungen bei Haubentaucher-Paaren. Dabei war ebenfalls wechselweise mal der eine, mal der andere Partner unten/ bzw. oben. Siehe Artikel: Blässhuhn-Paarung: schockierende Erkenntnisse.

16. April 2011: P86 – Krankheit kein Trennungsgrund

Während bei Gänsen die mangelnde Fitness eines Partners häufig ein Trennungsgrund ist, scheint das bei Blässrallen nicht unbedingt so zu sein. P86 ist seit einigen Wochen an der Humpelkrankheit (vermutlich eine Salmonelleninfektion) erkrankt. Er hatte sich mit NU0 verpaart. Beide Blässrallen stammen vom Eppendorfer Mühlenteich und leben jetzt an der Außenalster Ost. Da ich P86 letzte Woche ohne NU0 antraf, dachte ich schon, die Partnerschaft sei auseinander gegangen. Dem ist aber nicht so. Heute waren wieder beide zusammen in ihrem Revier an der Bellevue unterwegs.

16. April 2011: Revierverteilung

Das Revier an der Mundburger Brücke, das zuletzt von P61 und Unberingt besetzt war, fand ich heute verlassen vor. Ein Nest konnte ich auch nicht entdecken.
W32 hat seinen Nestbauversuch im Mundsburgkanal aufgegeben. Vermutlich fehlt es einfach an schützenden Zweigen und an Möglichkeiten der Verankerung. Er zeigte heute wieder deutliches Revierverhalten auf der Wasserfläche vor dem Schwanenwik-Denkmal. Dort hatte er 2010 ebenfalls sein Revier. Im Jahr 2011 war er vorübergehend von einem unberingten Paar von dort verdrängt worden.
V04 behauptet weiterhin das Revier beim Anleger hinter Café Hansa Stieg. Von hier hatte er vorher zwei andere Paare verdrängt. Das ufernahe Nest ist allerdings völlig ungeschützt gegen Angriffe aus der Luft: siehe folgender Eintrag…..

16. April 2011: Gefahren durch Rabenkrähen

Rabenkrähen halten sich gerne in der Nähe von Blässrallennestern auf. Wenn keiner auf dem Nest sitzt, ist es für eine Krähe ein Leichtes zu Nest zu fliegen und ein Ei herauszunehmen. Die Krähe nimmt das Ei in den Schnabel und fliegt damit davon. Dies sah ich heute bei dem Nest von V04 an der Alster Ost. Die Eltern kamen zu spät, um den Diebstahl zu verhindern.
Am Kuhmühlenteich gibt es eine ganze Rabenkolonie. Das Nest von W28 + P71 ist daher besonders gefährdet. Die beiden sind aber ziemlich auf Zack. Als sich heute eine Rabenkrähe dem Nest näherte, schwammen beide Eltern blitzschnell zum Nest. Unter solchen Umständen wird allerdings jede Brutpause zum Stress.

13. April 2011: Kopula mit stürmischen Liebesbeweisen

Inzwischen habe ich mehrmals beobachtet, dass Blässrallen sich nach der Kopula heftig am Halsgefieder zerren. Das ist nicht zu vergleichen mit dem zärtlichen Kraulen (siehe Artikel: Zärtlichkeiten im Eis) bei geneigtem Kopf. Derjenige, der auf dem Rücken des Partners stand (Männchen?), schwimmt dem begatteten Partner (Weibchen?) hinterher und reißt diesen heftig am Halsgefieder. Das ist mit lauten Rufen des Weibchens verbunden, das sich losreißt, dann auch schon mal umkehrt und laut rufend nach dem Schnabel des Männchens hackt.

13. April 2011: Blässrallen sind keine Gentlemen

Bei Gänsen habe ich während der Balz- und Brutzeit des Öfteren beobachtet, dass manche Männchen den Weibchen beim Fressen den Vortritt lassen. Ich war gespannt zu sehen, ob es ein solches Verhalten auch bei Blässrallen gibt. Nach allem, was ich in den letzten Tagen gesehen habe, muss ich das verneinen. Streue ich Futter aus, um Ringe abzulesen, versucht ein Partner dem anderen die Leckerbissen wegzuschnappen. Jeder versucht schneller als der andere zuzuschnappen und drängelt auch mal. Ein höfliches Zurücktreten konnte ich bisher nicht erkennen.

08. April 2011: Haubentaucher auf Distanz gehalten

Bislang habe ich noch keine Auseinandersetzungen zwischen Haubentauchern und Blässrallen beobachtet. Von einem Spaziergänger an der Alster wurde mir allerdings von einer solchen Auseinandersetzung berichtet, bei der Blässrallen sogar ein Haubentaucherküken getötet haben. Heute machte ich erstmals die Erfahrung, dass es einer Blässralle auch mal zu dicht werden kann mit der Haubentauchernachbarschaft. Im Revier von V04 stand gerade die unberingte Partnerin von V04 auf dem Nest. Das Nest war noch nicht fertiggestellt. Lediglich eine Plattform war erkennbar. Unmittelbar neben dieser Plattform balzte eine Haubentaucherpaar. Sie tauchten, zeigten sich gegenseitig Pflanzenteile und führten in Ansätzen eine Balzzeremonie durch. Unterschritten sie dabei einen Abstand von ca. 50 cm zum Blässrallennest, so begann Unberingt scharfe, schrille Laute von sich zu geben. Ein Minimum an Abstand ist also doch einzuhalten.

08. April 2011: Kampf zwischen N11 und NU6

N11 und NU6 sind Reviernachbarn. Heute gerieten die beiden aneinander und kämpften an der Reviergrenze. Sie sprangen sich an, krallten sich am Gegner fest und rangen miteinander. Dabei gaben sie aufgeregte Laute von sich. Das Weibchen von N11 sitzt brütend auf dem Nest. Von ihrem Nest aus hatte sie keine Sicht auf das Kampfgeschehen. Dieses fand einige Meter vom Brutplatz entfernt statt. Das Alsterufer beschreibt hier eine Kurve, so dass das Weibchen die beiden kämpfenden Männchen unmöglich sehen konnte. Dennoch beteiligte sie sich stimmlich. Wenn N11 rief, gab auch das Weibchen Laute von sich. Dies wirft die Frage auf, ob Partner sich vielleicht an der Stimme erkennen können?!

06. April 2011: Reviere sind weitgehend abgegrenzt

Immer mehr neue Nestplattformen entstehen. Es sind aber noch nicht alle Paare so weit, schon zu bauen. An der Außenalster sind allerdings die Reviere genauestens abgesteckt. Ein Revier folgt dicht auf das andere. Das gilt besonders für die Bereiche, in denen die geschützten eingezäunten Schilfgürtel angelegt wurden. Diese Orte sind bei Blässrallen, Enten, Schwänen und Teichrallen gleichermaßen beliebt. Ständig kann man beobachten, wie Blässrallenreviere gegen die Nachbarn abgegrenzt werden. „Büschelhaltung“ der Federn und Fußringkämpfe oder Verfolgungsschwimmen sind an der Tagesordnung.
Neuverpaarung
Bei den Partnerschaften sieht die Sache allerdings nicht so eindeutig aus. Traf ich O78 den ganzen März über mit einem unberingten Partner, so hat sie sich jetzt im April doch noch einmal umentschieden. Nun ist sie mit T32 verpaart. Auch bei einigen anderen konnte ich in den letzten Wochen solche Entwicklungen beobachten. Dies sind aber Ausnahmen. Die meisten Paare, die seit dem Winter zusammen sind, sind auch zusammen geblieben.
O78 hatte überdies eine Infektion am Auge, mit einem weißlich verschmierten Lidrand. Diese Entzündung scheint abgeheilt zu sein. Vielleicht gefiel ihr Unberingt doch nicht so gut, als sie wieder klar sehen konnte, und sie hat sich deshalb mit T32 zusammengetan.
Nestbauprobleme
W32, der große Hollandreisende von Schwanenwik, hat seinen Revierplatz etwas verschoben. Im letzten Jahr hatte er sein Revier am Denkmal bei Schwanenwik. Jetzt baut er mit seiner Partnerin im Mundsburgkanal dicht bei der Schwanenwikbrücke ein Nest. Da durch Bereinigungsmaßnahmen kaum noch Büsche und damit Äste zur Verfügung stehen, schwimmt W32 Strecken von ca. 50 Meter, um Nistmaterial heranzuschaffen. Das Revier am Denkmal ist von einem unberingten Paar besetzt.
Revierwechsel
Interessant ist auch die Umbesetzung eines Reviers am Anleger hinter Café Hansa Stieg. Hier hatten im März sowohl SP6 und Unberingt als auch 094 und Unberingt Revier genommen. Diese Woche waren beide Paare verschwunden. Statt dessen hatte sich dort V04 mit Unberingt niedergelassen. Die beiden haben schon eine Nestplattform errichtet.

03. April 2011: Nestbau Fortsetzung

Heute am Eilbekkanal und Kuhmühlenteich doch schon mehrere weiter gediehene Nestplattformen entdeckt. Teilweise auch schon Nester, die eine Handbreit hoch sind.

02. April 2011: Nestbau light – gut Ding will Weile haben

Bei meinem Rundgang heute entdeckte ich zwei weitere Blässrallen mit Nestbau-Ambitionen. An der Kennedybrücke ruht das Paar T59 und N49 zwischen Büschen, an die ein wenig Nistmaterial gelegt ist. In Bramfeld, im kleinen Nebenteich des Rückhaltebeckens Eenstock, transportierte V08 heute halbherzig ein wenig Nistmaterial. W28 und P71, das Herbstpaar vom Kuhmühlenteich, haben nicht weiter an ihrem Nest gebaut. Alles was bislang dorthin gebracht wurde ist wieder weggeschwemmt. W35 im Eilbekkanal hat ebenfalls nicht weitergebaut. Es sieht also so aus, als ob es für einen zünftigen Hausbau noch viel zu früh ist. Man kauft sozusagen nur schon mal ein paar Sachen im Baumarkt ein, transportiert hier und da ein Ästchen, lässt es wieder fallen, zupft ein wenig Material zurecht, liegt auf spärlichen Untergrund zur Probe…
Weißstirn gesehen: Außer „Frank“ W11 – siehe Seite der Blässrallenportraits – gibt es vermutlich noch zwei weitere Blässrallen in Hamburg mit einem weißen Scheitel. Ich sah eines heute in der Binnenalster, in der Nähe der Lombardsbrücke. Auch an der Brabandstraße in der Alster schwimmt so ein Weißköpfiges herum, das ich im letzten Winter beobachtet habe. Da beide Unberingt sind, ist es nicht sicher, ob es sich vielleicht um dasselbe Tier handelt.

28. März 2011: Man „nestelt“ in Hamburg

Heute entdeckte ich den dritten Nestbau-Beginn. Im Haynspark, in der Nähe einer Brücke, haben ein Blässhuhnpaar und dicht daneben ein Haubentaucherpaar zeitgleich eine Nestplattform errichtet. Bei den Blässrallen handelt es sich um W87 und Unberingt. Sehr interessant ist, dass es überall im Stadtgebiet immer wieder Blässrallen-Haubentaucher-Nachbarschaften gibt. Dabei liegen die Nester meist weniger als 1 Meter auseinander. Streitigkeiten kommen nur in Ausnahmefällen auf. Manchen dürfen Haubentaucher sogar auf Blässrallennestern ruhen oder lassen (später) ihre Jungen dicht an Blässrallennestern vorbeischwimmen. Gut zu unterscheiden sind die verwendeten Baumaterialien. Haubentaucher nehmen gerne Blätter, um ihr Nest zu gestalten. Blässrallen verwenden kleine Äste oder Schilf.

26. März 2011: Humpler am Kuhmühlenteich

Am Kuhmühlenteich sah ich heute ein unberingtes adultes Blässhuhn mit der Gelenkschwellungs-Erkrankung und beginnender Lähmung. Ein vorjähriges Blässhuhn ist ebenfalls betroffen. Eine Gelenkschwellung ist noch nicht zu sehen, aber es humpelt schon deutlich.

25. März 2011: Revier in Farmsen – neue Nachrichten

In Farmsen habe ich heute erneut das unberingte Blässrallenpaar im größeren der beiden Teiche angetroffen. Sie sind auf diesem Gelände die einzigen Blässrallen. Die Teiche werden ansonsten nur noch von Gänsen, Enten und selten von Teichhühnern genutzt. S10 ist nach wie vor nicht in Farmsen. Vermutlich hält er sich jetzt nur noch im Eichenpark auf. Sein Brutversuch im letzten Jahr in Farmsen endete nur bedingt erfolgreich. Zwar hatten er und sein unberingtes Weibchen ein Küken, das aber schon nach wenigen Wochen verstarb. Auch machte ich dort die kuriose Beobachtung, dass Gänse versuchten Pflanzenteile aus seinem Nest zu ziehen und aufzufressen. Vielleicht haben diese Erfahrungen das Revier für S10 unattraktiv gemacht, denn „sein“ Teich ist nach wie vor nicht besetzt.

24. März 2011: Zweite Ralle mit Nest entdeckt!

a) Nestbau: Hatte gestern W35 im Eilbekkanal die ersten Nestbaubemühungen gezeigt, so traf ich heute erneut in einem Blässrallenrevier auf ein Nest. T84 und Unberingt haben an der Alster, West zwischen Schilfstängeln die erste Nestplattform fertig. Heute lag der Partner von T84 auf dieser Plattform und sonnte sich.
b) Umgang von Paaren miteinander:
Meine Beobachtung, dass sich Paare nicht gegenseitig attackieren, muss ich revidieren. Heute beobachtete ich das Paar SP3 und Unberingt ebenfalls an der Außenalster, West. Sie gaben aufgeregte schrille Laute von sich und ein Partner zerrte den anderen unsanft am Halsgefieder. Der misshandelte Partner riss sich los. Kurz darauf schwammen die beiden wieder einträchtig nebeneinander.
Bei einem anderen Paar beobachtete ich dieses Zerren am Halsgefieder im Anschluss an eine Kopulation. Das Männchen war vom Weibchen heruntergepurzelt. Dennoch hielt das das Halsgefieder des Weibchens weiter fest und zerrte daran. Das stark protestierende Weibchen konnte sich schließlich losreißen.

23. März 2011: Verschiedene Neuigkeiten

a) Erster Nestbaubeginn
W35 brütete im letzten Jahr erfolgreich an einer Kaimauer des Eilbekkanals. Dort sind mittlerweile etliche Bäume abgesägt worden. Auch wurde die Kaimauer von Gebüsch befreit. W35 kann hier kein Nest mehr bauen. Heute sah ich W35 am gegenüberliegenden Ufer mit unberingtem Partner. Sie standen auf einem im Wasser liegenden Baumstamm unter einem blühenden Busch. W35 schleppte kleine Zweige herbei und legte sie auf dem Baumstamm ab. Dies ist meine erste Nestbaubeobachtung in diesem Jahr bei Blässrallen.
b) N19 im Tierheim
Da N19 schwer an der unbekannten Humpelkrankheit erkrankt ist, habe ich ihn vor einer Woche ins Tierheim gebracht. Auch dort ist nicht bekannt, um was für eine Erkrankung es sich handelt. Er und noch eine andere erkrankte Blässralle wurden mit zuerst mit Breitbandantibiotika behandelt. Diese halfen aber nicht. Nun machen beide eine Art „Giftausschwemmungs-Kur“. Sie bekommen nur wasserhaltige Nahrung (gewässertes Getreide, Salat) und sollen möglichst viel trinken. Die Gelenkschwellung bei N19 ist geringfügig zurückgegangen.
Mit im Gehege befindet sich noch ein stark abgemagertes Teichhuhn, das ebenfalls humpelt. Ein kleines Holzhäuschen, das mit Stroh ausgelegt ist, dient den Tieren als Rückzugs- und Ruheplatz. Dort befand sich bei meinem Besuch zuerst nur das Teichhuhn. Später legte sich die unberingte Blässralle dicht an dicht neben das Teichhuhn. Und nach einer gewissen Zeit kam noch N19 hinzu und drückte sich ebenfalls unter das kleine Holzdach. Es gab nur ganz wenig Gerangel. Als N19 leicht nach dem Teichhuhn pickte, missfiel das der anderen Blässralle, die N19 ebenfalls mit Schnabelpicken zur Ruhe aufforderte. Und tatsächlich: Wenig später lagen N19, das Teichuhn und die zweite Ralle aneinandergekuschelt auf einem Haufen. In der Natur habe ich so etwas noch nie beobachtet.
c) Das Revier an der Mundsburger Brücke ist schon wieder in anderen Händen – oder sollte man sagen: Flügeln? Hier war P76 mit Unberingt im letzten Jahr Brutvogel. Er verteidigte dieses Revier noch bis in den Winter hinein und hielt sich ständig hier auf. Anfang des Jahres 2011 übernahm V04 mit Unberingt das Revier. P76 wurde noch ein zwei Mal am Kuhmülenteich gesehen und seitdem nicht wieder abgelesen. V04 und Unberingt residierten an der Mundsburger Brücke zwei Monate lang. Gestern sah ich, dass auch dieses Revierpaar abgelöst wurde. Nun herrschen hier P61 und Unberingt, während V04 sich an der Außenalster herumtreibt. Mal sehen, wie lange das so bleibt!!

21. März 2011: Revierwechsel von S10

Heute war ich im Eichenpark und konnte mich davon überzeugen: Tatsächlich hält sich S10 immer noch hier auf. Es sieht so aus, als ob S10 jetzt hier sein Revier aufschlagen will. Das ist interessant, denn sein Revier aus 2010 – der kleine Teich auf der Trabrennbahn Farmsen – ist immer noch unbesetzt. D.h. S10 hat sich zu einem Revierwechsel entschlossen, obwohl er nicht aus dem vorigen Revier vertrieben wurde.

20. März 2011: Farmsen: erstes Revier besetzt

In Farmsen hatte im Jahre 2009 und im Jahre 2010 S10 sein Revier. Heute wollte ich nachschauen, ob S10 wieder in sein ehemaliges Brutrevier zurückgekehrt ist. Das ist nicht der Fall. In dem größeren der beiden Teiche am Eingang der Trabrennbahn hat ein unberingtes Rallenpärchen sein Revier in Besitz genommen. Das Revier von S10 befand sich im kleineren der beiden Teiche und ist bislang unbesetzt. Mal sehen, ob S10 hier noch eintrifft. Bei der letzten Ringablesung am 12. Februar befand sich S10 im Eichtalpark. Dort gibt es auch gute Möglichkeiten für eine Blässralle zu brüten. Vielleicht hat er hier Revier genommen. Ich werde morgen mal nachschauen.
Am Wandsbeker Mühlenteich befinden sich 6 – 8 unberingte Blässrallen. V14 mit Partner konnte ich dort seit dem Januar nicht wiederfinden. Vielleicht haben sie sich ein ganz anderes Gewässer gesucht.

11. März 2011: T91 doch nicht einäugig?

T91 schien heute etwas besser sehen zu können. Zeitweise wandte er mir die Seite mit dem verletzten Auge zu. Dabei konnte ich sehen, dass der Augapfel wohl doch noch vorhanden ist. Die Pupille ist nach hinten weggerutscht. Das Auge ist von einem weißlichen Film umgeben. Evtl. hat T91 doch „nur“ eine schwere Augenentzündung. Bei O78 an der Außenalster West fand ich ähnliche Symptome. Das Auge ist weiß umrandet, aber nicht verrutscht oder eingesunken wie bei T91.

15. März 2011: Blessrallen-Ansammlung Schwanenwik

Heute fand ich an der Außenalster, Ost auf der Höhe Schwanenwik den ersten Nicht-Wintertrupp an. Ca. 50 Blässrallen waren dort im Wasser versammelt. Da die Gewässer offen sind, waren sie nicht dazu gezwungen, so dicht zusammenzurücken. Um einen Mausertrupp kann es sich auch noch nicht handeln. Schwanenwik ist allerdings eine beliebte Stelle für Blässrallen. Im Laufe des Jahres sammeln sich hier immer wieder mittelgroße Trupps.

27. Februar 2011: Fluchtverhalten Öjendorfer See

Eine spannende Beobachtung konnte ich heute am Öjendorfer See machen. Der See ist fast vollständig zugefroren. Nur in einem kleinen Wasserloch am Nordostende tummelten sich an die 200 Blessrallen. Etwa 50 davon begaben sich nach und nach aufs Eis, um dort Möwenkot aufzupicken. Da tauchte plötzlich ein Habicht auf. Die auf dem Eis verteilten Rallen liefen aufeinander zu und bildeten auf dem Eis eine große Gruppe. Diese Gruppenbildung erfolgte innerhalb von Sekunden. Vermutlich bietet die Großgruppe einen besseren Schutz. Wenn vereinzelte Individuen auf dem Eis herumlaufen, sind sie leichter zu ergreifen und zu töten.

22. Februar 2011: Neubildung von Wintertrupps

Durch die anhaltende Kälte der letzten Tage sind viele Gewässer wieder mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. An den verbliebenen Eislöchern sammeln sich nun größere Trupps. Am Kuhmühlenteich besteht ein Eisloch unter der Kuhmühlenbrücke, wo ich 70 Exemplare zählten konnte. Hier hielt sich heute auch W32 auf. Möglicherweise ist die Alster bei Schwanenwik vereist, so dass er hierhin umgezogen ist. P76, der bislang immer ganz fest seinen Platz an der Mundsburger Brücke verteidigt hatte, war heute auch unter der Kuhmühlenbrücke anzutreffen. Am anderen Ende des Kuhmühlenteichs befand sich ein kleinerer Trupp von ca. 25 Exemplaren. V23, der schwer an der Humpelkrankheit erkrankt war, habe ich schon seit drei Wochen nicht angetroffen. Möglicherweise ist diese Ralle nicht mehr am Leben.
Ich suchte nach dem einäugigen T91 heute am Goldbekkanal, konnte ihn aber nicht finden. Dafür hatte ich die Gelegenheit zweifelsfrei festzustellen, dass W77 vom Goldbekkanal verpaart ist. Gemeinsam mit Unberingt lief er über das Eis, um Haferflocken aufzupicken. Am Goldbekkanal wird sehr viel gefüttert. Salat, Körner, Getreideflocken und Brot liegen häufig am Ufer.

19. Februar 2011: Reviertausch von V04 mit P76

P76 hatte im letzten Sommer sein Brutrevier an der Mundsburger Brücke. Auch als die Juvenilen schon groß waren, behaupteten P76 und Partner weiterhin dieses Revier direkt am Bootsanleger. Alle anderen Rallen, die sich hierher wagten, wurden gnadenlos verjagt. Bei meiner heutigen Ableserunde sah ich schon von weitem am Bootsanleger ein Blässrallenpärchen. Ich ging davon aus: Das können nur P76 und Partner sein, die sich nach der Auflösung der Wintertrupps hier wieder behauptet haben. Wie groß war aber die Überraschung: Nun halten V04 und Partner dieses Revier besetzt! Sie waren weit und breit das einzige Pärchen dort. P76 traf ich dann später auf meiner Runde an der Grünfläche Schwanenwik – Außenalster Ost. Spannend wird nun sein zu beobachten, ob sich P76 sein angestammtes Revier wieder zurückerobert oder ob er sich ein anderes Plätzchen suchen wird, um zu brüten.

W32 aus Holland zurückgekehrt!

BEi Schwanenwik machte ich dann noch eine andere schöne Entdeckung: W32, der im Winter von einem Beobachter in Amsterdam abgelesen wurde, ist wieder in Hamburg. Er ist gesund und munter zurückgekehrt, hält sich dort auf, wo er im Sommer 2010 sein Brutrevier hatte, ist aber scheinbar noch nicht verpaart. Trotzdem verhält er sich recht dominant, es ist also anzunehmen, dass er im Fall der Fälle wohl wieder bei Schwanenwik brüten wird.

T91 am Goldbekkanal nur noch einäugig!

T91 vom Goldbekkanal wollte ich heute besonders genau unter die Lupe nehmen, da ich letzte Woche gesehen hatte, dass er humpelte. Heute schien er viel besser zu laufen. Das freute mich natürlich. Dann bemerkte ich, dass T91 mir immer nur die rechte Seite seines Kopfes zuwandte. Es gelang mir nicht, ihn dazu zu bewegen, sich einmal andersherum zu drehen. Also pirschte ich um T91 herum. Dort wo das linke Auge sein sollte, ist nur noch eine vernarbte, weiße Augenhöhle zu sehen. Da T91 keine weiteren sichtbaren Verletzungen hat, nehme ich an, dass ihm beim Gerangel um Futter, das Auge ausgehackt wurde. Vielleicht geschah das durch den spitzen Schnabel einer Möwe oder einer anderen Blässralle.

18. Februar 2011: T21 in schlechtem Gesundheitszustand

Die Blässralle T21 mit dem stark geschwollenen Fußgelenk und den verkrüppelten Zehen, kam heute am Rathausmarkt aus dem Wasser. Da konnte ich dann sehen, dass sie zusätzlich noch eine Verletzung am anderen Fuß hat. Ein Stück an einer Zehe fehlt. Ich versuche mir immer klar zu machen, dass Menschen sich auch Verletzungen zuziehen oder chronische Krankheiten (Arthrose, Krebs etc. ) bekommen und dass das halt so ist, und zum Leben dazu gehört. Aber leicht finde ich es immer noch nicht, das zu akzeptieren. Was Blässrallen angeht, so ist diese Humpelkrankheit ja so häufig, dass es wirklich keinen Sinn hat, alle erkrankten Rallen zum Tierarzt zu bringen. Diese Krankheitsfälle sind sicher Bestandteil eines natürlichen Regulationsmechanismus. Vermutlich gibt es umso mehr kranke Rallen, je dichter ein Gewässer besiedelt ist. Um jedes einzelne Individuum ist es aber schade, vor allem, wenn man einen kleinen Rallen-Racker längere Zeit kennt und beobachet hat.

10. Februar 2011: W28 + P71 wieder verpaart!

Sehr interessant ist, wie sich die Paarbeziehung von W28 + P71 weiterentwickelt. Nach der Trennung im Winter, in der die beiden in verschiedenen Wintertrupps lebten, sind sie jetzt wieder am Kuhmühlenteich zusammengekommen. Dort hatten sie sich im vergangenen Herbst ursprünglich auch verpaart. Heute konnte ich an ihrem Verhalten – gemeinsames Schwimmen, gemeinsames Kämpfen gegen andere – eindeutig erkennen, dass die Paarbeziehung wieder aufgenommen wurde. Sie scheinen sich also trotz der längeren Pause im Winter wiedererkannt und wiedergefunden zu haben. Das bedeutet, dass eine Verpaaarung nicht unbedingt zum Frühjahr hin stattfinden muss. Die beiden kamen im Herbst 2010 zusammen, nachdem der ursprüngliche Partner von W28 verschwunden war. Vermutlich war er der Botulismusepidemie im Sommer 2010 zum Opfer gefallen ebenso wie ihre beiden Küken.
Am Ufer des Kuhmühlenteichs fand ich heute ein totes unberingtes adultes Blässhuhn. Außerdem gibt es einen neuen „Humpler“ am Kuhmühlenteich. Diese unberingte Blässralle muss sich an Land mit einem Flügel abstützen, um das Gleichgewicht zu halten.

06. Februar 2011: Verletzte Zehe von W49 heilt!

Heute habe ich wieder im Eichenpark vorbeigeschaut. Wegen des anhaltenden Regens sind kaum Spaziergänger mit Hunden unterwegs. Die Uferzone an der Alster ist leicht überschwemmt. Viel Gebüsch ist gerodet worden. So hatten es die Blässrallen dann auch heute sehr leicht, an Land zu kommen. Dabei war auch W49, der ich vor zwei Wochen einen großen Angelhaken aus einer Mittelzehe entfernt hatte. W49 geht es gut, eine Wunde ist nicht mehr zu erkennen. Sie kann auf beiden Füßen sicher stehen und gut laufen.

04. Februar 2011: W33 am Goldbekkanal

W33 leidet seit einigen Wochen an der „Humpelkrankheit“. Eines ihrer Fußgelenke ist dick geschwollen. Die Zehen auf dieser Seite sind zwar noch nicht gelähmt, aber eine Besonderheit ist mir aufgefallen. Die Hinterzehe an dem betroffenen Bein ist ungefähr vierfach so dick wie normal und außerdem rosa-gräulich verfärbt. Da W33 nicht aus dem Wasser kam, kann ich nicht sagen, ob sie zusätzlich zu der Gelenkschwellung evtl. noch eine weitere Verletzung hat. Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal doch kurz die Hinterzehe untersuchen. Gegen die Gelenkschwellung kann ich nichts machen, aber wenn sie zusätzlich eine Angelschnurverletzung hat, könnte ich ihr schon helfen.

03. Februar 2011: Paarbindung – Koordination will gelernt sein

In dem Artikel: „Blässhühner – Zärtlichkeiten im Eis“ https://blesshuhn.wordpress.com/2011/01/02/blasshuhner-zartlichkeiten-im-eis/ beschrieb ich einen Ablauf von idealtypischem Paarverhalten bei Blässrallen. Heute am Kuhmühlenteich hatte ich die Gelegenheit erneut dieses Verhalten zu beobachten. Es tritt im Moment vermehrt auf. In einem Trupp von 80 Exemplaren, sah ich in einer Stunde fünf Mal Paare, die das gegenseitige Kraulen am Kopf ausübten. Oder, wie man genauer sagen sollte, die es ausüben wollten. Interessanterweise läuft es nämlich nicht immer so glatt ab, wie in meinem Artikel mit der Fotoreihe dokumentiert wurde. So sah ich heute folgende Varianten:
1. Ein Partner neigt den Kopf in die Aufforderungshaltung, wird aber von anderen Partner nicht gekrault.
2. Beide Partner neigen den Kopf gleichzeitig, keiner krault den anderen. Sie verharren bewegungslos, bis eine Störung durch ein anderes Blässhuhn eintritt.
3. Ein Partner krault den anderen. Der Rollenwechsel klappt aber nicht. Wenn derjenige, der gekrault hat, auch gekrault werden will, reagiert der andere Partner nicht.

Es scheint also so zu sein, dass hier eine Koordination erst erlernt werden muss. Leider habe ich das Verhalten nur bei Unberingten beobachten können. Wenn beide Partner beringt sind, wäre es möglich zu verfolgen, ob das Paar im Laufe der Zeit den Ablauf besser koordinieren kann. Auch ist in der Großgruppe nicht zu erkennen, ob es sich hier bereits um feste Paare handelt. Es könnte auch sein, dass dieses Schnäbeln noch ein Teil der Annäherung ist. Vielleicht entscheidet sich hier erst, ob die beiden Partner zusammenkommen und auch im Frühling zusammen bleiben.

01. Februar 2011: Wer mit Wem? Tratsch und Klatsch vom Kuhmühlenteich

An anderer Stelle berichtete ich bereits von den beiden Blässrallen P71 und W28, die sich bemerkenswerterweise im Herbst (!) verpaart hatten, nachdem W28 den Partner aus dem Sommer und die Küken aus dieser Verbindung verloren hatte. Im Dezember kam es dann zu einer Trennung: P71 blieb im Wintertrupp am Kuhmühlenteich, während W28 sich nun in der Innenstadt (Binnenalster, Rathausmarkt, Kennedeybrücke) aufhielt. Sein drei Wochen befinden sich W28 und P71 wieder beide am Kuhmühlenteich. W28 ist also zurückgekehrt. Unklar ist aber, ob die Paarbindung wieder aufgenommen wurde.

25. Januar 2011 Neues vom Goldbekkanal

Am Goldbekkanal sah ich ein beringtes Blässhuhn, mit dem es einige Ableseprobleme gab. Den Metallring konnte ich zwar deutlich im Wasser sehen, aber es wollte und wollte mir nicht gelingen den Farbring abzulesen. Schließlich begriff ich, dass das arme Hühnchen nur noch ein Bein hatte. Ausgerechnet das Bein mit dem Farbring ist nicht mehr da! Die kleine Ralle ist erst vorjährig! Außerdem sah ich ein totes unberingtes Blässhuhn am Goldbekkanal am Ufer liegen.

23. Januar 2011: W49 erneut durch Angler-Zubehör verletzt!

Bereits im Jahre 2010 hatte W49 eine Angelschnurverletzung. Das Bein heilte wunderbar, obwohl die Angelschnur sehr tief eingeschnitten hatte. Bilder und Artikel siehe: https://blesshuhn.wordpress.com/2010/07/04/verletzungen-durch-angelschnure-2/

Heute war ich im Eichenpark und sah, dass W49 wieder humpelt. Ich traute meinen Augen kaum, als ich sah, dass sie einen 6 cm langen Blinker mit sich herumschleppte. Eine Zehe blutete leicht. Der Angelhaken hatte sich vollständig durch die Zehe hindurchgebohrt.

Zuerst einmal musste ich W19 und V47 vorsichtig beiseite schieben. Sie hielten meine Füße besetzt und attackierten auf unvernünftige Weise die Futtertüte mit Schnabelhieben. Dann gelang es mir mich an W49 heranzupirschen, die in einem Haufen anderer Blässhühner Haferflocken aufpickte.

Ich griff sie mir und setzte sie wie ein kleines Kind auf meinen Arm. Nach anfänglichem Flattern hielt W49 total still. So konnte ich den Angelhaken nach und nach aus ihrer Zehe entfernen. Das Herausschieben ging viel schwerer als ich gedacht hatte. Einen Teil, vermutlich den Widerhaken, konnte ich abbrechen und dann friemelte ich das rostige Ding heraus. W49 verhielt sich regungslos. Erst im selben Moment, als der Angelhaken aus dem Fuß entfernt war, fing sie wieder an zu flattern. Ich brachte sie natürlich sofort zum Wasser. Die Wunde ist sehr klein und so hoffe ich, dass alles gut verheilt.

16. Januar 2011: Tauwetter und Paarbildung

Heute ist das Eis am Eilbekkanal und Kuhmühlenteich geschmolzen. Die dortigen Wintertrupps haben sich aufgelöst. Nun kann man besser den Fortschritt der Paarbildung beobachten. Es sind an beiden Orten einige Paare unterwegs. So ist z.B. W35, Brutvogel im Eilbekkanal 2010, wieder verpaart und durchschwimmt in Begleitung den Kuhmühlenteich. Andere, unberingte Rallen, drohen zu zweit anderen Gewässer-Mitbewohnern, ähnlich wie ich es in dem Artikel „Paare kämpfen gemeinsam“ beschrieben habe. Die Hormonwirkung durch den Frühling lässt bei einigen Blässrallen die Blässe stark anschwellen. Besonders deutlich konnte ich das heute bei dem Weibchen W27 vom Kuhmühlenteich sehen. Zusammen mit dem Anschwellen der Blässe ist auch ein verstärktes Dominanzverhalten bei ihr zu bemerken.

Leider gibt es an fast allen Gewässern wieder einige Humpler, wobei auch vorjährige und nicht-beringte Blässrallen betroffen sind. Häufig wird von Spaziergängern vermutet, die Gelenkschwellungen rührten von einer zu festen Beringung her. Das ist aber nicht der Fall, sondern es handelt sich um eine Infektionskrankheit. Besonders schlimm betroffen ist die Blässralle T21 am Rathausmarkt. Die Schwellung ist so groß wie eine Kirsche, so dass der Ring an dem betroffenen Bein bis unters Gefieder gerutscht ist. Auch steht ihr Gefieder über dem Bein merkwürdig ab. Ein unberingtes Juveniles in der Nähe der Kennedybrücke ist betroffen sowie eines in der Nähe vom Eichenpark. Insgesamt konnte ich jeweils 2-4 Humpler an folgenden Orten entdecken: Binnenalster, Außenalster Süd, Eilbekkanal, Kuhmühlenteich, Krugkoppelbrücke und Eppendorfer Mühlenteich. An den geringer besiedelten Gewässern sah ich keine Erkrankungsfälle: Appelhoffweiher, Eenstock, Wandsbeker Mühlenteich. Möglicherweise werden die Krankheitserreger mit zunehmender Besiedelungsdichte schneller weitergegeben.

12. Januar 2011: Krugkoppelbrücke wieder dichter besiedelt + Rallen wenden Laub – neue Beobachtungen

An der Krugkoppelbrücke ist das Eis zu einem großen Teil weggeschmolzen. Prompt zeigen sich auch hier wieder mehr Blässrallen. Ich konnte ca. 50 Exemplare beobachten, von denen aber nur 3 beringt waren. Eines war frisch beringt vom Eppendorfer Mühlenteich gekommen (NN8) Was sehr interessant für mich war: zu entdecken, dass tatsächlich Blässrallen manchmal Laub wenden oder auch Gras systematisch zur Seite legen. Voraussetzung ist dafür wohl, dass sie darunter – zu Recht- Futter vermuten. Ich beobachtete an der Krugkoppelbrücke eine humpelnde Ralle, die sich an Land hinsetzte. Sorgfältig legte sie Blatt für Blatt und Halm für Halm beiseite . Darunter fanden sich dann tatsächlich einige Haferflocken, die ich ausgestreut hatte. Sie pickte sie einzeln auf und suchte geduldig weiter. Eine andere – gesunde – Ralle tat das Gleiche und durchsuchte Blätter am Ufer. Meine frühere Beobachtung am Kuhmühlenteich hatte also nichts mit den dort anwesenden Rabenkrähen und einem Lernvorgang zu tun. Blässrallen brauchen sich dieses Verhalten nicht erst von anderen Vögeln abzugucken. Sie wenden es nur selten an, da nicht immer Essbares unter Blättern zu vermuten ist.

11. Januar 2011: Kämpfe + Balz im Wintertrupp am Kuhmühlenteich

Das Verfolgungsschwimmen, das letzte Woche nur N19 gezeigt hatte, legten heute mehrere Rallen im Wintertrupp Kuhmühlenteich an den Tag. Insgesamt ging es viel lebhafter zu als in den letzen Wochen. Es fanden Verfolgungsflüge über die Wasseroberfläche statt (Balz?). Immer wieder wurde laute schrille Rufe oder leiseres Klacken hörbar. W98 und ein anderes unberingtes Blässhuhn taten sich besonders darin hervor, zielstrebig auf verschiedene andere Blässrallen zuzuschwimmen, mit vorgestrecktem Kopf pfeilartig übers Wasser zu schießen, so als wollten sie ein Revier verteidigen. Auch kam es seit längerer Zeit wieder zu Handgreiflichkeiten – eigentlich „Fuß“-Greiflichkeiten. Immer wieder geschah es, dass eine Ralle eine andere von hinten ansprang und versuchte, sie mit den Füßen unter Wasser zu drücken. Die Stimmung ist insgesamt kämpferisch, aufgedreht und ein bisschen verrückt. Scheint so, als ob sich der Frühling bereits ankündigt.

05. Januar 2011: Revierkampf im Wintertrupp am Kuhmühlenteich?

Am Kuhmühlenteich gibt es zur Zeit nur noch ein Eisloch unter der Kuhmühlenbrücke. Dort habe ich heute ca. 90 Blässrallen gezählt (geschätzt). Interessant war das Verhalten von N19. Er verhielt sich fast so wie eine Ralle, die ihr Revier verteidigt. Immer wieder verjagte und vertrieb er andere Rallen und drohte ihnen mit Verfolgungsschwimmen. Es ging dabei nicht um einen Kampf um Futter, da zu dieser Zeit nicht gefüttert wurde und die verfolgten Rallen auch kein Futter im Schnabel hatten. Dieses mehrfache Verfolgen anderer Individuen ist deshalb ungewöhnlich, da die Blässrallen ja noch in der Großgruppe leben. Auf diesem überlaufenen Platz ein Revier abzugrenzen, ist ein hoffnungsloses Unterfangen.
Weiterhin ist die Frage offen, ob Paarbindungen den Winter über bestehen bleiben. Dagegen spricht die Trennung von P71 und W28, die erst im Herbst am Kuhmühlenteich zueinander gefunden hatten. Jetzt leben sie in getrennten Gewässern. N84 hatte sich am Kuhmühlenteich mit Unberingt verpaart und dort auch ein deutliches Dominanzverhalten im Spätsommer und Herbst gezeigt. Nun lebt er in der Großgruppe ohne jedes dominante Auftreten. Auch ist keine Paarbindung für den menschlichen Beoabachter mehr zu erkennen. Das gemeinsame drohende Umherschwimmen zusammen mit einer Partnerin unterbleibt jetzt völlig.
Für ein Weiterbestehen von Paarbeziehungen spricht aber das Verhalten der beiden unberingten Blässrallen am Eilbekkanal – siehe Artikel: „Zärtlichkeiten im Eis“. Vielleicht gibt es Paare, die auch im Winter zusammenbleiben, während andere sich wieder trennen. Oder die beiden Rallen, die sich gegenseitig kraulten, haben sich gerade erst verpaart??? Nach wie vor gibt es viele spannende Fragen zur weiteren Beobachtung.

28. Dezember 2010: Wintertrupps in Öjendorf

Voller Erwartung und guten Willens hunderte von Blässrallen in Öjendorf zu beringen, zogen Herr Hoff (Beringer in Hamburg) und ich gestern los zum Öjendorfer See. Aber zu unserem Erstaunen gab es dort nur ein einziges Eisloch im ganzen See. Dieses befand sich auf der Höhe des Nord-Ost-Strandes in der Nähe des Rodelhügels. Herr Hoff konnte mit dem Fernglas ca. 20 Blessrallen erkennen. Sie dachten überhaupt nicht daran ans Ufer zu kommen. Weder zeigten sie Interesse an Toastbrot noch an schicken neuen Fußringen. Am Donnerstag wird es dann einen zweiten Beringungsausflug im Hamburger Stadtgebiet geben. Ich werde zwar nicht mit dabei sein, berichtet dann aber von den Berichten der Beringer.

25. Dezember 2010: Wintertrupps in Hamburg

Am Kuhmühlenteich ergaben sich erneut Veränderungen. Da das Wasser unter der östlich gelegenen Brücke gefroren ist, gibt es jetzt nur noch einen großen Trupp unter der Kuhmühlenbrücke. Der Teiltrupp, der vor zwei Wochen zum Eilbekkanal/ Lortzingstraße abgewandert ist, hält sich dort immer noch auf. Ich konnte exakt die gleichen Ringe ablesen. Es schienen mir aber noch einige unberingte Rallen mehr dort zu sein, als bei der letzten Ablesung. Eine kleine Überraschung erwartete mich heute am Wandsbeker Mühlenteich. Zwischen 7 Blässrallen, von denen 6 unberingt waren, hielt sich V14 dort auf. Dieses Blässhuhn habe ich dort noch nie getroffen. V14 wurde im Januar 2010 in der Nähe der Krugkoppelbrücke beringt.Morgen gehts dann in die Innenstadt und ich werde sehen, wie sich die Population dort verhält.

17. Dezember 2010: Noch mehr Rallen am Kuhmühlenteich

Es sieht so aus, als ob der Kuhmühlenteich als Winterquartier für Blässrallen-Trupps eine immer größere Rolle spielt. Zwar ist der Teich fast völlig vereist, aber unter der Brücke am Ostende und der Brücke am Westende (Kuhmühlenbrücke) leben zwei Trupps von 90 bzw. 80 Exemplaren. Da sich viele Rallen im Dunkeln unter der schlecht einsehbaren Brücke am Ostende aufhalten, hatte ich sie bei meiner Ablesung letzte Woche übersehen. So konnte ich diese Woche wieder ein paar neue Ringe ablesen. Die Krugkoppelbrücke spielt eine immer geringere Rolle als Winterquartier. Im Vergleich zu immerhin 30 Blessrallen in der letzten Woche, traf ich heute dort nur noch 8 Stück an. In der City haben sich die Blässhühner wieder etwas mehr verteilt. Je ein Trupp von ca. 50 Exemplaren befindet sich in der Alster beim Rathausmarkt bzw. beim Ballindamm. Dort waren heute auch erstmal seit längerer Zeit wieder Graugänse anzutreffen.

15. Dezember 2010: Blessrallen-Völkerwanderung entlang des Eilbekkanals

Heute war ich am Eilbekkanal, um Graugänse abzulesen. Zu meiner Überraschung trieben sich hier im Wasser, Höhe Lortzingstraße, an die 50 Blässrallen herum. Sie waren so kooperativ, alle an Land zu kommen, so dass ich problemlos ihre Ringe ablesen konnte. Dabei stellte ich fest, dass es eine Teil-Völkerwanderung vom Kuhmühlenteich gegeben haben musste. Fast alle Blässhühner mit Ringen waren in der Woche zuvor in dem dortigen Riesentrupp (150 Exemplare) gewesen. Vielleicht hat das Tauwetter am Montag sie dazu bewogen, ein wenig den Kanal Eilbekanal hinaufzuschwimmen, der sich vom Kuhmühlenteich Richtung Wandse erstreckt. Nun ist der Kanal wieder vereist, bis auf eine größere Wasserstelle an der Einmündung der Wandse in den Eilbekkanal. Die Blässrallen tauchen dort nicht. Es ist zu vermuten, dass es da nicht so viele Muscheln gibt. Spannend wäre zu sehen, ob sie in den nächsten Tagen dort bleiben, oder wegen Futtermangels erneut zum Kuhmühlenteich zurückfliegen.
S10, der auch zum Eilbekkanal umgezogen ist, zeigte heute ein außergewöhnliches Verhalten für Blässrallen. Er packte einen Kollegen am Halsgefieder, schüttelte ihn und riss ihn am Gefieder. Üblich ist das eher für Gänse und Enten. Blässrallen picken eher auf andere ein oder verwickeln einander in Fußringkämpfe (siehe entsprechender Artikel).

11. Dezember 2010 Kuhmühlenteich und Binnenalster dicht bevölkert

Bei meinen Ablesungen in dieser Woche stellte ich fest, dass sich der Trend zu bestimmten Gewässern verstärkt hat. Gut bevölkert sind die Binnenalster in der Nähe des Rathausmarktes mit ca. 100 Blässrallen und der Kuhmühlenteich mit ca. 150 Blässrallen. An der Außenalster Ost und am Mundsburgkanal waren so gut wie keine Rallen zu finden (Ausnahme ein kleiner unberingter Vierertrupp). Auch die Krugkoppelbrücke ist nach wie vor nicht besonders anziehend für diese Wasservögel. Wieder schwammen dort nur etwa 30 Exemplare herum, von denen die meisten unberingt waren. Nach wie vor befinden sich am Kuhmühlenteich viele typische Bewohner, die sonst in der Nähe der Krugkoppelbrücke leben. Irgendetwas dort scheint die Blässhühner zu stören. Am Kuhmühlenteich halten sich die meisten in der Nähe der Kuhmühlenbrücke auf. Dort ist das Ufer mit Eisenstreben verstärkt, die ins Wasser reichen. An diesen Eisenwänden scheinen sich besonders viele Muscheln abzusetzen. Die Blässhühner tauchen dort sehr viel und bringen immer wieder Muscheln hoch. Teilweise stellen sie sich nach getaner Arbeit auf die Eisschollen, um dort zu ruhen und sich zu putzen.
Sehr lustig ist auch, dass Blässrallen wie wir Menschen offenbar Tiefkühlkost zu sich nehmen. In den treibenden Eisschollen befinden sich eingefrorene Blätter aus dem Herbst. Nun tauen die Eisschollen an und die Blässhühner klauben sich die Blätter vom Eis und fressen sie. Es erinnert mich sehr daran, wie ich mir neulich eine Packung Tiefkühlgemüse aus dem Kühlschrank holte.

07. Dezember 2010 Scheidung? W28 und P71 leben getrennt!!

Im Herbst dieses Jahres hatten sich W28 und P71 verpaart. Sie lebten am Kuhmühlenteich und verhielten sich dort ausgesprochen dominant. Letzte Woche habe ich W28 in der Binnenalster in der Nähe des Rathausmarktes angetroffen. P71 dagegen hält sich nach wie vor am Kuhmühlenteich auf. Bedeutet das, dass die Paarbeziehung aufgelöst wurde? Oder ist es so, dass die Partnerschaft weiterbesteht und bei Gelegenheit das Paar auch wieder zusammenzieht? Dies ist eine spannende Frage für weitere Beobachtungen.

05. Dezember 2010 Krugkoppelbrücke wird gemieden!

Gestern erhielt ich eine Mail von dem Hamburger Beringer Simon Hinrichs. Er teilte mir mit, dass sich an der Krugkoppelbrücke zur Zeit nur noch ca. 20 Blässrallen aufhalten. Im letzten Winter dagegen lebten an diesem Eisloch dort an die 200 Exemplare!! Es war ein sehr beliebter Überwinterungsplatz. Simon vermutet, dass sich die Vögel dort gestört fühlen, weil das Eis durch Alsterdampfer immer wieder aufgerissen wird. Bei meinen Ablesungen in dieser Woche am Kuhmühlenteich, stellte sich heraus, dass viele Blässrallen, die im letzten Winter oder auch noch vor ein paar Tagen an der Krugkoppelbrücke lebten, an den Kuhmühlenteich umgezogen sind. Hier befindet sich unter der Kuhmühlenbrücke ein Eisloch, an dem ca. 150 Blässrallen ein neues zu Hause gefunden haben. Auch S10, der normalerweise an der Krugkoppelbrücke überwintert, ist inzwischen zum Kuhmühlenteich umgezogen. Ebenso traf ich SN0 an, der den ganzen Sommer über in der Nähe der Krugkoppelbrücke lebte. Der Standort Krugkoppelbrücke scheint also in diesen Tagen für Blässrallen extrem unattraktiv zu sein.

28. November 2010 Franks Weibchen W07 ist wieder da!

Zwei Jahre lang beobachtete ich eine männnliche Blässralle. Er, W11, genannt Frank, hat einen weißen Schopf auf dem Kopf, woran er sehr leicht zu erkennen ist. Im April dieses Jahres lernte Frank das Weibchen W07 kennen. Die beiden wurden ein Paar. Fortan veränderte sich Frank in seinem Verhalten sehr stark. Vorher war er eher schüchtern gewesen und ging jeder Auseinandersetzung aus dem Weg. Nachdem er verpaart war, konnte man ihn wie einen schwarzen Pfeil über den Alsternebenteich schießen sehen, sobald eine andere Blässralle in sein Revier kam. Ich rechnete schon mit Nachkommen. Doch schon Ende April war Franks Weibchen W07 spurlos verschwunden. Monat für Monat traf ich Frank an verschiedenen Stellen der Außenalster. Immer war er allein. W07 habe ich weder im Sommer noch im Herbst wiedergesehen. Ich dachte mir, dass sie einer Krankheit oder einem Hund zum Opfer gefallen sei. Gestern ging ich zum Kuhmühlenteich, um Ringablesungen zu machen. Dort traf ich über 50 Blässrallen an. Auch W11 war dabei. Und wer tauchte nach einiger Zeit aus dem Gewimmel im Wasser auf und kam an Land? Es war W07. Nach so vielen Monaten, ist sie wieder da!! Ob Frank und W07 nun wieder verpaart sind, kann ich nicht sagen. In dem Gewusel eines so großen Trupps, lässt sich das nicht feststellen.

14. November 2010 Sag mir, wo die Rallen sind ….

Während in der letzten Woche eine ganze Menge Blässrallen bei Schwanenwik schwammen, traf ich dort diese Woche nur zwei Stück an. Es handelte sich um W11, eine Blässralle mit einer besonderen weißen Färbung am Kopf, und einem diesj. Juvenilen. Die beiden verstanden sich prächtig und tauchten dicht an dicht nach Futter. Es ist aber ziemlich sicher, dass das Juvenile nicht zu W11 gehört. W11 hatte im Sommer sein Weibchen W07 verloren. Sie wurden nie zusammen mit Küken gesehen. Auch an der Kennedybrücke war heute wieder nicht viel los. Es waren nur vier Blässrallen zugegen, also etwa so, wie in der vergangenen Woche. Am Kuhmühlenteich treiben sich dagegen manchmal bis zu 50 Exemplare herum. Ein ziemlicher Unterschied zum Sommer, als es dort „nur“ 7 Brutreviere gab.

08. November 2010 Schwanenwik wieder dichter besiedelt

In den letzten Monaten war an der Alster im Bereich der Grünfläche Schwanenwik nur noch selten die eine oder andere Blässralle zu finden. Nachdem auch W39 von dort zum Eppendorfer Mühlenteich umgezogen war, wirkte das Gebiet wie ausgestorben, zumindest in Bezug auf Rallen. Heute konnte ich an der Grünfläche Schwanenwik über 40 Blässrallen zählen. An der Kennedeybrücke, wo sich bislang in diesem Jahr jede Woche immer ca. 20-30 Blässrallen herumtrieben, fand ich am Samstag lediglich drei der Schwarzen Wassertreter vor. D.h. die Besiedelungsdichte verschiebt sich sehr stark im Laufe des Jahres. Unklar ist mir, wodurch diese Verschiebungen ausgelöst werden.

06. November 2010 Blässralle wendet Laub

Eine eigenartige Beobachtung machte ich heute am Kuhmühlenteich. Hier lebt eine ganze Kolonie von Rabenkrähen. Einzelne Rabenkrähen kommen auch gerne ans Ufer, insbesondere wenn hier von Spaziergängern gefüttert wird. Ab und zu wenden sie Laub auf dem Rasen oder auf den Wegen und suchen darunter nach Fressbarem. Heute beobachtete ich die Blässralle W28, die im Uferbereich begann Laub zu wenden und darunter nach Futter zu suchen. Dies ist für eine Blässralle ganz und gar ungewöhnlich. Es ist das erste Mal, dass ich so ein Verhalten beobachten konnte. Ich frage mich nun, ob durch die Nähe zu den Rabenkrähen W28 sich vielleicht deren Verhalten „abgeguckt“ hat. Sollte eine/r der LeserInnen so etwas schon einmal gesehen haben, bitte ich um Rückmeldung.

31. Oktober 2010 Ausflug nach Kaltenhofe

Heute Vormittag habe ich einen Ausflug nach Kaltenhofe unternommen. In den dortigen Wasserbecken traf ich jede Menge Reiherenten an. Auch eine andere Entenart – vermutlich Schnatterenten – war dort vertreten. Sehr interessant fand ich das Verhalten einer Blässralle und einer Schnatterente. Beide tauchten dicht nebeneinander nach Wasserpflanzen. Dabei kamen sie einander so nahe, dass sich ihre Körper fast berührten. Sie tauchten abwechselnd, es sah fast aus, als würden sie sich gegenseitig helfen, die langblättrigen Wasserpflanzen hochzuziehen. Die Schnatterente suchte aktiv den Kontakt zu der Blässralle. Die Blässralle schien sich das gern gefallen zu lassen. Sie zeigte keinerlei Revieransprüche oder Abwehrverhalten.

30. Oktober 2010 Beobachtungen am Kuhmühlenteich

Als ich gestern nachmittag am Kuhmühlenteich vorbeikam, traf ich unter der Brücke einen Trupp friedlich dahintreibender Blässrallen an. Sie schienen zu dösen oder widmeten sich der Gefiederpflege. Dabei sah ich erstmals eine besondere Haltung, die Blässhühner einnehmen, wenn sie im Wasser ihr Gefieder am Bauch putzen wollen. Sie legen sich dazu auf eine Seite, so dass ein Bein aus dem Wasser ragt und auch die Hälfte des Bauches über der Wasseroberfläche ist. Dann fahren sie sich einige Male mit dem Schnabel über den Bauch. Das aus dem Wasser schauende Bein wird dabei angezogen.

23. Oktober 2010 Eichenpark: Ralle rabiat

Heute im Eichenpark fiel mir beim Ablesen mein kleiner Bleistift auf den Boden, mit dem ich die Ringnummern notiere. Ich bückte mich danach und wollte gerade danach greifen, als eine Blässralle ihn mit dem Schnabel aufnahm. Das erweckte das Interesse anderer Rallen. Schließlich rissen sich etliche Blässrallen gegenseitig den Bleistift aus dem Schnabel . Einige versuchten ihn zu kauen und wirkten sichtbar frustriert, als das nicht gelingen wollte. Das lockte wieder andere an, sich ebenfalls diesen scheinbaren Leckerbissen nicht entgehen lassen wollten. Vergeblich griff ich dazwischen. Diejenige Blässralle, die sich gerade den Bleistift geschnappt hatte, wusste ihn mit einem eleganten Trippeln ihrer großen Füße sofort außerhalb meiner Reichweite zu bringen. Schließlich gab es einen kurzen Streit zwischen einer Blässralle und einer Möwe. Nach einem kurzen Kräftemessen, konnte sich die Möwe des Bleistifts bemächtigen. Sie erhob sich damit in die Lüfte und schwebte über die Alster davon.
Während ich der Möwe noch perplex nachsah, pickte eine andere Blässralle nach der Plastiktüte, in der ich noch ein paar spärliche Futterreste aufbewahrte. Nachdem ich fünf Stunden im Stadtgebiet unterwegs gewesen war, befanden sich in der Tüte gerade noch zwei große Scheiben Weißbrot und ein paar altbackene Krümel. Diese Reste wollte ich gerecht unter die Rallen im Eichenpark aufteilen. Eine weitere Blässralle riss so geschickt an der Tüte, dass die Brotscheiben auf den Boden fielen. Das war’s dann mit gerechter Aufteilung: Die drei Stärksten und Frechsten rissen jeweils ein riesiges Stück Brot an sich, rannten damit davon und verschlangen es umgehend. Als die Anderen merkten, dass es nichts mehr zu Fressen gab und auch der Nachschub an Bleistiften ausblieb, machten sie sich auf den Weg ins Wasser. Ich konnte dem Pulk nur noch nachwinken. Mit den Ablesungen hatte es sich für heute erledigt.

18. Oktober 2010 Öjendorf: Eins, zwei, drei – Tausend!!

Hier eine Mitteilung von Herrn Hoff, Beringer in Hamburg, vor allem tätig am Öjendorfer See und Öjendorfer Friedhof:
Blessrallen am Öjendorfer-See: etwa 1.000 Ex. anwesend. Abgelesen wurden die Ringe: S13, S15(?), S05, NE0, P50, O70.

10. Oktober 2010 Öjendorf: Eins, zwei, drei – Viele

Heute war ich zu einer vogelkundlichen Führung am Öjendorfer See. Ich war überrascht zu sehen, wie sehr sich der Bestand an Blässrallen dort inzwischen verändert hat. Waren im Sommer nur vereinzelte Blässrallen so sehen, so hatte ich heute Schwierigkeiten alle zu zählen. Vor allem an der Ostseite und am Nordende halten sich wohl mehrere Hundert Blässhühner auf.

04. Oktober 2010 Kuhmühlenteich aufgeräumt

Vor einigen Wochen waren hier am Kuhmühlenteich an mehreren Stellen große Zweige von Uferweiden abgebrochen und ins Wasser gefallen. Nun waren sie in die Reichweite von Bläss- und Teichrallen gelangt. Vor allem die Blässrallen nutzten die Zweige und Blätter als Ruheplatz. Heute wollte ich davon ein Foto für den Blog machen. Als ich am Kuhmühlenteich vorbeikam, sah ich einen schweren Kran und ein Schiff mit einer großen Ladeplattform. Darauf lagen leider die schönen großen Äste, die meine Blässhühner so erfreut hatten. Der Kuhmühlenteich ist aufgeräumt, die Blässhühner haben ihre Spezialverstecke verloren. Deshalb wird es leider nichts mit den Fotos.

03. Oktober 2010 Abendbesuch bei W39

Heute abend habe ich W39 gegen 19:30 am Eppendorfer Mühlenteich besucht. Es dämmerte schon. Gegen den Abendhimmel hoben sich die Shilouetten von Graugänsen ab, die am Ufer standen. Ungefähr 15 Blässrallen und einige Teichrallen waren auch am Ufer. Es herrschte eine ruhige Stimmung, ohne viel Bewegung oder gar Streitereien. Auch W39 stand am Ufer. Als ich sie da so stehen sah, umgeben von anderen Wasservögeln, die in aller Ruhe das Hereinbrechen der Nacht erwarteten, war ich mir sicher, dass W39 zum Eppendorfer Mühlenteich gezogen ist, um Gesellschaft zu haben. Sie hat ihren festen Platz an der „Futterstelle“ auf dem Grünstreifen, abseits der kleinen Treppe. Dort treffe ich sie immer an. Von allen Blässrallen dort ist sie die schwächste und Kleinste. Sie geht deshalb auch allen Kämpfen aus dem Weg. Dennoch behauptet sie ihren Platz, einfach indem sie stetig anwesend ist.

24. September 2010 Blässrallen in Bad Schwartau und Lübeck

Heute habe ich in Bad Schwartau den Mühlenteich besucht. Am Mühlenteich hatte der Schleswig-Holsteiner Ornithologe Horst Thies sehr intensiv Blässrallen beobachtet. Als ich das Gewässer sah, wusste ich warum: Es ist ein richtiges Blässrallenparadies. Gelegen in einem Landschaftsschutzgebiet werden die Tiere kaum von Hunden oder von Autolärm gestört. Ein breiter Schilfgürtel umgibt den Teich. Das Ufer ist für Spaziergänger nicht direkt zugänglich. Mitten im Teich befindet sich eine Mini-Insel, die überwiegend aus einem Baum und dessen niederhängenden Zweigen gebildet wird. In diesem geschützten Bereich halten sich auch viele Stockenten auf. Direkt am Zuweg, der halb um den Teich herumführt, befindet sich eine ausladende Uferweide. Auch diese bietet viel Schutz für Blässrallen-Nester und Brutreviere.
Anschließend reiste ich noch nach Lübeck-Travemünde Hafen. Zwischen den Bootsstegen hielten sich am Rand des Hafenbeckens zahlreiche Wasservögel auf. Vor allem sah ich Silbermöwen und Lachmöwen in verschiedenen Alterstufen. Auch Stockenten, eine Reiherente und einige Blässrallen waren dort. Zwischen den Stockenten, die auf einem Rasenstreifen am Hafenbecken Nahrung suchten, hüpfte eine Dohle herum.

11. September 2010 Nachrichten aus der Süderstraße

Am Dienstag, den 7. September, erhielt ich einen Anruf aus dem Tierheim Süderstraße. Herr Sven Bernhardt, der Leiter des Vogelhauses, teilte mir mit, dass eine beringte Blässralle eingeliefert worden war. Gestern, am Freitag, ging ich sie besuchen. Es handelt sich um T47. Sie hatte einen schweren Verkehrsunfall und wurde am Isekai aufgegriffen. Die Unterbringung im Tierheim war ganz vorbildlich. T47 lag weich auf Holzwolle gebettet in einem Einzelkäfig. Sie hatte bestes Futter vor sich stehen. Sie war ganz reiz-geschützt in einer Art Scheune untergebracht, in der weder grelles Licht noch laute Geräusche zu ihr drangen. Herr Bernhardt erzählte, dass T47 starke Probleme mit der Atmung hat. Auch hatte sie Spuren von Blut am Schnabel, vermutlich aus der Lunge. Mit ziemlicher Sicherheit sind Lunge und Luftsäcke verletzt. Über Knochenbrüche konnte mir Herr Bernhardt nichts mitteilen, weil T47 aufgrund ihrer starken Schwäche noch nicht beim Röntgen war. T47 lag ganz apathisch da. Ihre Augen rutschten nach hinten weg, so dass man den weißen Augapfel sehen konnte. Sie atmete ganz flach. Da es keine Chance für sie gibt, dass sich ihr Zustand bessert, wird sie vermutlich an diesem Wochenende eingeschläfert. Der einige Trost ist, dass sie mindestens sieben Jahre gelebt hat. Sie wurde als adulter Vogel im Jahr 2007 an der Alster beringt. Während der letzten Jahre hat sie sich meistens an der Binnen- und Außenalster aufgehalten.

04. September 2010 Neues aus Harvestehude/ Eichenpark

Von W49 und N70 gibt es nur Gutes zu berichten. Nach der operativen Entfernung der Angelschnur hat sich W49 wieder vollkommen erholt. Sie kann ganz normal laufen ohne zu humpeln. Auch ist die Wunde am Fußgelenk völlig verheilt. Nach wie vor ist sie mit N70 verpaart und kam in den letzten Tagen des öfteren mit ihm zusammen zum Fressen an Land.
Seit der Beringungsaktion im Frühling habe ich das Blässrallen-Familienoberhaupt SNO nicht wiedergesehen. Ich dachte schon, er sei umgekommen oder in andere Gewässer gezogen. Nun endlich, an diesem Mittwoch, sah ich SNO im Eichenpark wieder. Auch er ist wohlauf. Wo er wohl die ganzen letzten Monate gewesen sein mag?
Die Humpelkrankheit, bei der das untere Fußgelenk anschwillt und die Zehen in einer Parallel-Position versteifen hat nun ein Juveniles befallen. Es humpelt am Eichenpark herum, kann aber recht gut schwimmen.

29. August 2010 Helles Küken im Mundsburgkanal

Im Mundsburgkanal schwamm heute ein Blässhuhnküken, dass vielleicht erst 5-6 Wochen alt ist. Es ist damit ein richtiger Nachzügler, denn die anderen jungen Blässrallen sind jetzt ausgewachsen. Außerdem hatte es eine ganz eigenartige Färbung. Statt dunkelgrau waren seine Federn von einem hellen rötlichen Braun. An Hals und Brust ist es weiß, wie es seinem Alter entspricht. Durch das rötlich-braune Gefieder sticht es aber deutlich von seinen Artgenossen ab. Ansonsten benimmt es sich jedes normale junge Küken. Es piepst die ganze Zeit, um gefüttert zu werden. Wer die Eltern sind und ob diese beringt sind, konnte ich leider nicht erkennen. In den nächsten Tagen will ich versuchen ein Foto zu machen.

16. August 2010 Schwanenwik

Die wöchentliche Ablesung am Sonntag an der Grünfläche Schwanenwik ergab, dass sich dort zur Zeit viel mehr Blässrallen aufhalten, als in den letzten Wochen. Vermutlich hängt das damit zusammen, dass die meisten Juvenilen selbstständig sind. So sind die Eltern nicht mehr an die Brutreviere gebunden und es kommt wieder mehr Bewegung in das Leben auf der Alster. W39 war diesmal nicht so stark verschmutzt, dennoch sieht sein Gefieder eigenartig strähnig und aufgehellt aus. Er ist ungeheuer zutraulich. Einmal packte er sogar eine Falte meiner Hose und zerrte energisch daran.

13. August 2010 Besuch im Eichenpark Eppendorf

Heute vormittag war ich im Eichenpark. Dort hielt sich bislang stets die Familie von N70 und W49 (mit der Angelschnurverletzung) auf. Beide habe ich heute aber nicht angetroffen. Statt dessen fand ich ein ganzen Pulk jugendlicher ausgewachsener junger Blässrallen vor. Es waren insgesamt 12 Stück, die zu mehreren Familien gehörten. Man konnte die Gruppen aber nicht eindeutig zuordnen. Die Alster am Eichenpark ist nun sozusagen fest in der Hand von jugendlichen Blässrallen. Diese sind sehr munter und geschäftig, streiten auch gerne mal um Futter und tauchen und schwimmen wie die Weltmeister. Sie sind teilweise auch zutraulich und wagen sich an Land in die Nähe von Menschen. Diese könnten in der nächsten Zeit beringt werden. Außerdem fand ich dort eine Teichhuhnfamilie mit drei kleinen Nachkommen: schwarze Bällchen auf Füßen.

11. August 2010 Familienbeziehungen ausgewachsener junger Blässrallen

Die beiden ehemaligen Küken von W27 sind jetzt neun Wochen alt. Sie haben sich von den Eltern weitgehend abgenabelt. Interessant ist, dass W27 und ihr Partner neu an einem Nest bauen. Auch tauschten sie vor Kurzem untereinander Zärtlichkeiten aus. Es scheint so, als ob die Paarbeziehung wieder neu aufflammt. Die beiden Kinder halten sich meist weit entfernt von den Eltern auf. Die beiden Geschwister hängen aber oft zusammen. Zum Fressen kommt die ganze Familie an Land und alle fressen friedlich dicht nebeneinander. Man kann aber jetzt von zwei Zweiergruppen sprechen: auf der einen Seite das Elternpaar, auf der anderen Seite das Geschwisterpaar.

03. August 2010 Kampfverhalten junger Blässhühner

An der Grünfläche Schwanenwik hatte ich heute die Gelegenheit in einem Mausertrupp Blässhühner verschiedener Altersgruppen miteinander zu vergleichen. Die gerade ausgewachsenen Juvenilen und die „älteren“ Blässrallen bekamen von mir Futter in Form von Haferflocken angeboten. Dass es dabei Auseinandersetzungen gibt ist normal. Immer wieder gibt es ältere kräftigere Vögel, die andere wegpicken oder mit hoch aufgerichtetem Hals eine Drohgebärde einnehmen, um die Rivalen um Futter zu vertreiben. Sehr überrascht war ich davon, wie energisch die Juvenilen auftreten. Keine Spur von Scheu durch mangelnde Lebenserfahrung oder durch den leichteren Körperbau. Ein ausgewachsenes Juveniles von W32 forderte den älteren und kräftigen V47 zum Kampf heraus. V47 wehrte sich, und so kam es an Land zu einer richtigen Auseinandersetzung, bei der sich der Jungvogel und der ältere Vogel einander mit den Füßen ansprangen. Das Juvenile fiel dabei zwar auf sein Hinterteil, weil es etwas leichter war, als der ausgewachsene V47, setzte dann aber sofort wieder zum Sprung an. V47 wollte sich das nicht bieten lassen und setzte ebenfalls zu Kampfsprüngen an. Interessant war, dass der Vater des Juvenilen, es handelt sich um den besonders kämpferischen W32, sich in diesen Streit einmischte und ebenfalls V47 drohte. Daraufhin ergriff V47 die Flucht. Zwei wild gewordene Familienmitglieder waren ihm dann wohl doch zuviel.

31. Juli 2010 Partnertausch von N11

Heute habe ich an der Alster, in der Nähe der Kennedeybrücke N11 wiedergesehen. Im Jahre 2008, im Jahre 2009 und auch im Frühjahr 2010 hatte N11 sich immer wieder die gleiche Partnerin gesucht: Es handelte sich um O44. Mit O44 hatte N11 im letzten Jahr und in diesem Jahr Küken aufgezogen. Irgendwann im Laufe der Zeit verschwanden die diesjährigen Küken. Diesen Einbruch scheint die Partnerschaft nicht überstanden zu haben. Als ich N11 jetzt wieder sah, hatte er sich mit T28 zusammengetan. Bemerkenswert, dass eine mehrere Jahre dauernde Partnerschaft hier auseinandergegangen ist. Spannend wird es im nächsten Frühling. Wird N11 sich noch einmal mit O44 zusammentun?

21. Juli 2010 Maßnahmen am Kuhmühlenteich

Inzwischen wurde über die Vogelschutzwarte das Veterinäramt und über mich das Amt für Gewässerschutz benachrichtigt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich tatsächlich um Botulismus. Ein Anwohner teilte mir heute mit, dass auch sehr große Fische tot im Kuhmühlenteich trieben.
Um eine weitere Verschlimmerung zu verhindern, werden demnächst von staatlicher Stelle aus die toten Vögel eingesammelt. Mehr kann man leider nicht tun, da die Vermehrung der Bakterien mit dem heißen Wetter zusammenhängt.
Etwas erschüttert hat mich der Umgang von W27 und Partner mit ihrem erkrankten unberingten Küken. Dieses fand ich heute unter Gebüsch versteckt im Wasser, ganz dicht am Ufer. Es bewegt sich kaum noch. Ab und zu öffnet es den Schnabel, aber es kommmt kein Ton heraus. Seine Augen wirken matt. Als ich dem Küken etwas Brot zuwarf, stürzten sich W27 und Partner auf das Brot. Sie dachten aber gar nicht daran, ihr krankes Küken zu füttern. Im Gegenteil: sie rissen ihm die Brotbröckchen weg. Der Vater ging sogar so weit sich mit beiden Füßen auf den Rücken des Kükens zu stellen, um besser an das Brot heranzukommen. Interessant ist dieses Verhalten deswegen, weil die beiden verbliebenen gesunden Küken durchaus noch ab und zu von den Eltern gefüttert werden. Selbst fast ausgewachsene Küken einer anderen Familie wurden noch ab und zu von den Eltern versorgt. Dass W27 und ihr Partner sich gegenüber dem kranken Küken so „rabiat“ verhalten, zeigt mir, dass sie es in gewisser Weise „abgeschrieben“ haben. Dies sind natürlich recht menschliche Begriffe, aber es ist doch bemerkenswert, dass der „Füttermechanismus“ hier nicht mehr greift. Es wirkt so, als seien die Eltern nicht mehr interessiert daran, das Leben dieses Kükens zu erhalten.

19. Juli 2010 Neue Todesfälle am Kuhmühlenteich

Am Sonntag hat Andreas eines der toten Küken vom Kuhmühlenteich ins Hygienische Institut in Rothenburgsort gebracht. Wir wollen wissen, warum in den letzten Tagen so viele Küken gestorben sind. Vielleicht liegt ein Fall von Botulismus vor. Heute musste ich auf meiner täglichen Runde feststellen, dass es weitere Erkrankungs- und Todesfälle gibt. Das Küken mit den Lähmungserscheinungen der unberingten Familie ist verschwunden. Seine Mutter liegt tot auf dem Nest. Alleine der Vater zieht noch seine Runde im ehemaligen Brutrevier. Eines der vier Küken von P75 hält sich seit zwei Tagen nur auf dem Nest auf und wirkt stark geschwächt. Eines der unberingten Küken von W27 hat Lähmungserscheinungen. Außerdem sah ich eine Stockente, die sich nicht mehr bewegen kann und zu schwach zum Fressen ist. Von einer weiteren unberingten Familie sind zwei Küken verschwunden. Sie sind noch zu klein, um selbstständig zu sein, also vermutlich tot. Abgesehen davon ist eine gesamte Familie mit zwei Erwachsenen und vier Küken verschwunden. Da es sehr unwahrscheinlich ist, dass eine Familie freiwillig ihr gut verteidigtes Revier verlässt, ist diese Familie vermutlich auch umgekommen. Damit sind innerhalb einer einzigen Woche 14 Küken und drei adulte Blässrallen gestorben. Der Verdacht auf eine Infektionskrankheit liegt nahe. Das ganze Gewässer riecht faulig.

17. Juli 2010 Familie von P75

Die Familie von P75 ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Nicht nur, dass sich die Geschwister gegenseitig am Hals kraulen – siehe Artikel „Liebevolle Geschwister“. Nein, in der Familie von P75 habe ich jetzt das zweite Mal beobachtet, dass ein Küken den Eltern beim Nestbau hilft. Es brachte gestern abend einen kleinen Zweig zum Nest, während die Eltern ebenfalls mit Nestbau-Aktivitäten beschäftigt waren. Danach badete es ausgiebig. Es tauchte immer wieder mit dem Oberkörper ins Wasser und ließ Wasser über sein gesamtes Gefieder perlen. Das wirkte so, als müsste es sich nach der Arbeit ordentlich waschen. Anschließend putzte es sich. Leider ist in der Familie von P75 heute nacht ein weiteres Küken umgekommen. Ich fand es neben dem ersten tot im Wasser beim Nest treibend. Heute habe ich mit einer Harke beide Leichen an Land befördert, um einer Botulismusgefahr vorzubeugen. Das geschwächte Küken des unberingten Paares hat die Nacht überlebt und schwamm heute recht munter mit seinen beiden Eltern im Wasser. Es gab viele Laute von sich und fraß ordentlich.

15. Juli 2010 Kükensterben am Kuhmühlenteich

Mit Bestürzung habe ich festgestellt, dass seit zwei Tagen die Kinder SE1 und SN1, beides 6 Wochen alte Küken von W27 verschwunden sind. Daraufhin machte ich heute eine intensivere Suchaktion am Kuhmühlenteich und stellte fest, dass mehrere Küken in den letzten Tagen gestorben sind.
Tot aufgefunden habe ich eines der sechs Küken von P75. Es war schon sechs oder sieben Wochen alt und recht groß. Es treibt tot im Wasser in unmittelbarer Nähe des Nestes. Die beiden ca. 2 Wochen alten Pulli von W28 und O48 sind fort. Eines liegt tot auf dem Nest und wird gerade von Fliegen bekrabbelt. W28 schien ratlos und pickte leicht nach dem toten Küken. Trotz dieses Desaster bauen O48 und W28 am Nest. Ein unberingtes Paar hat ebenfalls in den letzten Tagen ein etwa drei Wochen altes Küken verloren. Sie haben noch ein Küken, das auf dem Nest sitzt und schläft. Er wirkt aber auch krank, so als ob es zu schwach wäre, seinen Kopf zu halten. Vielleicht haben die extremen Temperaturen und auch die nächtlichen Regenfälle die Küken geschwächt.

06. Juli 2010              SE1 ein zukünftiger Held!

SE1 ist eines der fünf Küken von W27. Schon jetzt ist abzusehen, dass aus SE1 ein Held wird, jederzeit bereit zu kämpfen, Brutrevier und Familie bis zum Äußersten zu verteidigen. Als ich heute abend am Kuhmühlenteich ein paar Haferflocken ausstreute, kamen außer der Familie von W27 auch ein ausgewachsener Graugans-Ganter mit seinem Weibchen und einem Juvenilen herbei. Eigentlich mag dieser Ganter gar keine Haferflocken, aber er war wohl ein bisschen eifersüchtig oder neugierig und knabberte etwas auf der Erde herum. Da reckte sich eines der fünf Geschwister von W27 in die Länge. Mit seinem silbrigen Körper und der weißen Vorderseite baute es sich auf seinen beiden zierlichen Beinen vor dem Ganter auf und streckte sich so sehr wie nur möglich. Es fixierte den Ganter, der sofort eine Drohgebärde mit vorgestrecktem Kopf einnahm und bedrohlich zischte. Jede Graugans hätte sofort das Weite gesucht! Nicht aber das kleine Blässhuhn-Küken SE1. Es wich erst aus, als der Ganter es mit seinem Kopf auf den Boden drückte. Der Ganter machte dabei keine Anstalten das Küken zu beißen, er duckte es nur auf den Boden. SE1 wich aus und baute sich wieder vor dem Ganter auf. Darauf drohte und zischte der Ganter wieder und drückte das Küken, als es nicht verschwinden wollte, mit einer Bewegung seines Halses auf den Boden. SE1 flutschte unter dem Hals des Ganters hervor. Eine Weile lang kehrte Ruhe ein. Nach ein paar Minuten lief SE1 wieder hoch aufgerichtet auf den Ganter zu und pickte ihn mit seinem spitzen, kleinen Schnabel in die Seite. Dies hat dem Ganter sicher nicht wehgetan. Bemerkenswert ist aber doch der Mut dieses Kükens, sich so entschlossen mit einem viel größeren, kräftigeren und lebenserfahrenerem Gegner anzulegen.

04. Juli 2010 Ausflug der Küken von W27

W27 und ihr unberingter Partner haben noch fünf Küken, von denen drei beringt sind. Die Küken sind nun vier Wochen alt. Ihr Rückengefieder färbt sich schwärzlich und die weißen Flecken auf der Brust werden grau. Heute machten die fünf Geschwister ihren ersten Ausflug ohne Eltern. Vielleicht, weil sie mich am anderen Ufer stehen sahen, schwammen sie zusammen quer über den Kuhmühlenteich. Dabei gerieten sie in das Revier einer anderen Familie. Das Männchen dieser Familie hat ein besonders  großes Brutrevier abgesteckt und verfolgt gnadenlos Enten und Graugänse in einem Radius von 20 Metern. Als die Küken von W27 am Ufer dieser Familie angekommen waren, entdeckte das Männchen sie und schoss sofort auf sie zu. Die Küken flüchteten schwimmend und das erwachsene Männchen verfolgte sie in rasendem Tempo. Als die Küken merkten, dass sie dem Männchen durch Schwimmen nicht enkommen konnten, weil sie noch nicht schnell genug sind, verschwanden sie einfach unter der Wasseroberfläche. Ich musste zweimal hinsehen, um das Ganze zu begreifen. Die Küken retteten sich durch Tauchen, sobald der Sicherheitsabstand unterschritten war. Wie kleine Korken tauchten sie dann an irgend einer anderen Stelle des Teiches wieder auf. Zeitweise waren fast alle Geschwister verschwunden, weil das Männchen blitzschnell von einem Küken zum anderen flitzte. Aber es war nie schnell genug, um eines zu erwischen. Schließlich wurden W27 und ihr Partner auf die Vorgänge aufmerksam und schlossen sich ihren Küken an, um sie zu verteidigen. Das Männchen der unberingten Familie nahm daraufhin Abstand von der Verfolgungsjagd.

28. Juni Kinder von W27 beringt

Am Sonntag wurden zwei der fünf Küken von W27 und ihrem unberingtem Partner beringt. Als Andreas und ich die Küken einfingen, blieben die Eltern in der Nähe an Land und gaben aufgeregte fauchende Laute von sich. Sie flüchteten aber nicht ins Wasser, ja sie pickten sogar noch weiter Futter auf. Heute habe ich die ganze Familie wieder besucht. Ich war gespannt zu sehen, ob sie vor mir Angst haben würden. Die Reaktion auf mein Fütterangebot war sehr interessant: W27, ihr Partner und die drei unberingten Küken liefen wie gewohnt auf mich zu und fraßen mir aus den Händen. Die beiden beringten Küken hielten sich vom Ufer fern und blieben im Wasser. Es scheint so, als ob ihnen die Erinnerung an das Gefangen- und Beringtwerden noch in den Knochen sitzt.

26. Juni; Sonntag: Beringen

Morgen ist es endlich soweit. Nachdem der Termin immer wieder verschoben werden musste, werden Andreas Z0urs und ich am Sonntag die kleinen Blässrallen beringen. Beginnen werden wir mit unserer Aktion am Kuhmühlenteich. Die Kleinen von W27 und auch die unberingte Nachbarfamilie von W27 sind sehr zutraulich. Deshalb werden sie die Ersten sein, denen hübsche weiße Ringe und Aluringe verpasst werden. Danach ziehen wir weiter zur Alster und zum Eichenpark, Nähe Klosterstern. Die Jungen von W49 + N70 dort haben sich schon öfter ans Ufer gewagt und sind damit gute „Kandidaten“. Auch sie haben eine unberingte Nachbarfamilie, die möglicherweise ebenfalls einer Beringung zustimmen werden. Ich bin schon sehr gespannt, wie erfolgreich wir sein werden.

15. Juni Farmsen/Trabrennbahn

Den ganzen Winter über hielt sich S10 in der Nähe der Krugkoppelbrücke auf. Kaum taute das Eis auf, ließ er sich mit Partnerin an einem der kleinen Teiche an der Trabrennbahn in Farmsen nieder. Bald begannen sie in Gemeinschaftsarbeit ein Nest zu bauen und wechselten sich beim Brüten ab. Vor einigen Wochen schlüpfte dann ein Küken. Es blieb zunächst bei diesem Einzelkind, das liebevoll gehegt und gefüttert wurde. Seit ca. 10 Tagen nun ist dieses Küken, das gar nicht mehr so klein war, verschwunden. Ich beobachtete heute S10, wie er immer wieder im Schnabel Futter sammelte. Dann schien ihm einzufallen, dass kein Küken mehr da ist, und er fraß das Futter selbst. Zeitweise setzte sich S10 auch wieder auf das Nest, in dem sich aber keine neuen Eier befinden. Außer der Partnerin von S10 hat sich noch eine dritte Blässralle nach Farmsen verirrt. Sowohl S10 als auch seine Partnerin jagen diesen Eindringling erbarmungslos meterweit über das Wasser und über die Rasenflächen. Ganz interessant fand ich folgende Beobachtung: als S10 und seine Partnerin sich einmal nicht in der Nähe ihres Nestes aufhielten, schwamm eine Gänsefamilie dorthin. Sie fingen an, Pfanzenteile aus dem Nest zu ziehen und sie aufzufressen.

11. Juni 2010 Beobachtungen am Appelhoffweiher

Am Appelhoffweiher treibt sich seit einigen Wochen eine Blässralle mit der Ringnummer NE8 herum. Ganz unüblich für diese Jahreszeit ist NE8 ein Single – ohne Partner, ohne Küken. Dennoch ist er/sie sehr kampflustig, vor allem, wenn von Anwohnern Futter verteilt wird. In einem Büschel aus Wasserlilien auf Metallplatten der Schleusenanlage haben zwei unberingte Blässrallen ein Nest gebaut. Sie haben jetzt drei muntere Pulli (Küken im Daunenkleid). Ein weiteres unberingtes Paar hat ein älteres Küken. Dieses hat schon nicht mehr die übliche Babybefiederung mit gelbem Flausch um den Kopf, sondern es trägt ein schwarzes Federkleid und ist an Brust und Bauch weiß gefärbt.

Beobachtungen am Kuhmühlenteich: Heute kamen W27 mit Partner und sechs Pulli an Land, wo ich einige Haferflocken ausgestreut hatte. Sie wuselten munter durcheinander und hielten sich dicht bei ihren Eltern. Die Eltern pickten Haferflocken auf und boten sie den Küken an. Die Küken picken schon selbstständig nach Futter, fraßen mir zum Teil auch aus der Hand, suchen aber auch immer wieder nach den Schnäbeln der Eltern, um von ihnen Futter entgegenzunehmen.

06. Juni 2010 Kämpfe mit anderen Arten

Gerade jetzt, in der Brutperiode, zeigen Blässhühner ein ausgeprägtes Kampfverhalten, um ihr Brutplatzrevier zu verteidigen. Mein tollstes Erlebnis war, als an der Alster eine kleine mutige Blässralle einen verschreckten Graureiher übers Wasser jagte. Nachdem der Graureiher geflüchtet war, trampelte die Blässralle (triumphierend?) auf der Stelle im Wasser. Eine Blässralle am Kuhmühlenteich, schwimmt regelmäßig in geduckter und langgestreckter Haltung Wache vor ihrem Nest. Sie hat sich darauf spezialisiert, ausgewachsene Gänsepärchen zu verjagen. Die Gänse machen tatsächlich einen großen Bogen um dieses Nest, obwohl es in einer Zone liegt, in der sie gut an Land gehen könnten. Gegenüber Enten beobachtete ich eine größere Zwiespältigkeit. Teilweise lassen sich Blässrallen durch Enten einschüchtern, teilweise verjagen sie sie auch. Bemerkenswert fand ich, dass ein und dieselbe Blässralle (P39), sich von einer Ente vertreiben ließ und kurz darauf selbst aber eine Graugans verjagte. Vermutlich ist bei der Entscheidung, wer wen verjagen kann und vor wem zu fliehen ist, die Größe des Gegners nicht entscheidend. Vielleicht eher die in der Körperhaltung ausgedrückte Aggressivität? So ist vielleicht eine aggressive Ente bedrohlicher als eine ruhige, friedliche Graugans?

o4. Juni 2010 Wenn Küken nerven!

Küken sind niedlich, aber manchmal können sie den Eltern auch ziemlich auf die Nerven gehen. An zwei Nestern habe ich Folgendes beobachtet: Vermutlich, wenn sie Hunger haben, attackieren die Kleinen auch die Eltern. An einem Nest stand eines der Elternblässhühner auf dem Nestrand und putzte sich. Ein Pullus streckte vorwitzig seinen winzigen Schnabel aus und packte eine Feder am Flügel des Elternteils. Es zog so lange daran, bis die Eltern-Blässralle es abschüttelte.

Auf einem anderen Nest, sprang eines der Küken immer wieder an einem Elternteil hoch und zog es an den Federn auf der Brust. Die Elternblässralle stupfte das Küken zunächst ganz sanft mit dem Schnabel auf den Rücken, so als ob sie das Kind durch diese Berührung beruhigen wolle. Das Kleine hörte aber nicht auf, an der großen Blässralle hochzuspringen und an ihren Federn zu ziehen. Darauf packte die Eltern-Blässralle das Küken mit dem Schnabel im Nacken und schüttelte es ein wenig hin und her. Kurz danach griff sie sich das Küken noch einmal von der Vorderseite, packte es am Hals und schüttelte es.

02. Juni 2010 Küken an Kuhmühlenteich und Alster

Kinder von W27Heute tummelten sich die Kleinen von W 27 und Unberingt im Wasser. Es sind sechs Stück. Als ich das Nest von P75 besuchte, war ich zunächst erschrocken. Das Nest war leer und es waren keine Küken oder Eier zu sehen. Ich befürchtete das Schlimmste. Umso größer war meine Freude, als ich die neue Familie im Eilbekkanal unter der Kuhmühlenbrücke wiederfand. P75 und Unberingt haben Sage und Schreibe: ACHT Küken. Was für eine Verantwortung für die Eltern, die pausenlos Futter heranschaffen müssen! Die acht hungringen Kleinen gaben ein ganzes Piepskonzert von sich und waren ständig in Bewegung.

Genau das Gegenteil ist der Fall bei dem Paar N77 + T59 an der Außenalster, Süd. Sie haben nur ein Pullus. Beide Eltern sind aber so konditioniert, ständig Futter heranzuschaffen. So bekommt das kleine Einzelkind immer wieder von beiden Elternteilen etwas zu Fressen angeboten. Es schwimmt dauernd zwischen N77 und T59 hin und her und nimmt mal aus dem einen mal aus dem anderen Schnabel Futter auf. Dieses Küken muss inzwischen pappsatt sein.

01. Juni 2010 Neue Küken am Kuhmühlenteich

Am Kuhmühlenteich befinden sich zur Zeit 6 Blässrallen-Nester. Es handelt sich um folgende Paare: P75 + Unberingt; 4 Pulli          O48+W28, noch brütend     W27+Unberingt; mind. 3 Pulli                      sowie drei weitere unberingte Paare. Von den unberingten Paaren hat eines schon Küken.

Lange Zeit beobachtete ich intensiv das Nest von W27 + Partner, das sehr gut versteckt unter einem Baum mit tief ins Wasser herabhängenden Zweigen liegt. W27 war des Öfteren allein am Ufer unterwegs. Er hatte die Angewohnheit, sich, so klein wie er ist, vor einem aufzubauen und energisch in die Länge zu strecken, so als wollte er sagen: „Na, gibts was zu futtern?“. Auch lief er hinter einem her und sprintete sofort los, sobald irgendjemand von den Spaziergängern Futter ausstreute. W27 ist ganz schmal und stromlinienförmig gebaut und kann sehr schnell laufen. Und nicht nur das: Seit heute hat er auch noch Nachwuchs! Es sind mindestens drei Pulli, vielleicht aber auch mehr. Man kann das Nest kaum sehen und daher muss ich mit dem Zählen erst mal abwarten, bis die Kleinen auf dem Wasser herumschwimmen.

31. Mai 2010 Haubentaucher Blässrallen Wohngemeinschaften

Sehr interessant fand ich, dass es zwischen Haubentauchern und Blässrallen anscheinend kaum Revierstreitigkeiten gibt. Am Kuhmühlenteich befinden sich beispielsweise ein großes Blässrallennest und ein Haubentauchernest in sehr geringer Entfernung (ca. 50 cm). Abgesehen davon habe ich sowohl an der Außenalster als auch in einigen Kanälen regelrechte Doppelbauten gesehen: D.h. ein Haubentauchernest, das unmittelbar an ein Blässrallennest angebaut wurde. Die beiden Arten von Nestern lassen sich gut unterscheiden. Blässrallennester sind fast immer sehr viel höher und als Baumaterial werden überwiegend Zweige verwendet. Die flachen Nester der Haubentaucher bestehen hauptsächlich aus Blättern. Um ihr Revier zu verteidigen bedrohen Blässrallen Enten, Gänse und Teichhühner. An der Alster hat sogar eine kleine Blässralle einen großen Graureiher vertrieben. Haubentaucher dagegen dürfen sich manchmal auf den Ausläufern der Blässrallennester aufhalten, selbst wenn die Blässrallen brüten.

30. Mai 2010

Heute werde ich noch einen Rundgang um die Alster machen. Auf vielen Nestern wird noch gebrütet, aber die Küken sind auch teilweise schon geschlüpft. Von Tag zu Tag ändert sich die Anzahl der Pulli. Oft kommt es vor, dass einige Eier noch bebrütet werden, während schon kleine Blässrallen geschlüpft sind.

Mit dem Rundgang ist es leider dann doch nichts geworden. Ich wurde von einem frühlingshaften Platzregen und Gewitter überrascht. Im Eichenpark stellte ich mich unter eine Weide, um das Unwetter abzuwarten. Dabei traf ich die Blässralle N 70 am Ufer an. N 70 sammelte eifrig Futter im Schnabel und verschwand dann unter einem Baum, der ins Wasser hineinhing. Als ich BR N 70 folgte, entdeckte ich ganz versteckt zwischen Blättern und Zweigen ein Nest. Dort saß die Partnerin von N 70. Küken müssen auch da gewesen sein, sonst hätte N 70 kein Futter gesammelt. Wegen des schlechten Wetters und der vielen herabhängenden Zweige konnte ich die Küken aber nicht sehen. Bestimmt waren sie beim Partner auf dem Nest unters Gefieder geschlüpft.

Advertisements

Eine Antwort zu Tagebuch

  1. T. S. Öder schreibt:

    Super Seite! Freue mich immer über Bilder und Infos über Blässhühner:-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s